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14.04.2016

Es geht auch anders

Der Papst lobt „humanitären Korridore“ als Einsatz für den Frieden und das Leben.

 

Die siebenjährige Falak hat ein Auge verloren. Der aggressive Krebs drohte, auch ihr zweites Auge zu zerstören und sich in ihrem Gehirn auszubreiten.

 

Falak lebte mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder mehr als zwei Jahre lang in einer Garage in der libanesischen Stadt Tripoli. 200 Dollar pro Monat bezahlten sie für das karge Dach über ihren Köpfen.

 

In ihrer Heimatstadt Homs in Syrien hatten sie nicht einmal das, ihr Haus war durch eine Bombe dem Erdboden gleich gemacht worden.


Im Libanon lief Falak die Zeit davon. Als Cesare Zuccone, Generalsekretär der Gemeinschaft Sant’Egidio, das Mädchen in Tripoli traf, handelte er schnell.

 

Anfang Februar kam die Familie auf dem römischen Flughafen an.

 

  • Der erste humanitäre Korridor war damit eröffnet.

Linienflug statt Schlauchboot

 

Falaks sichere Ankunft in Italien wurde durch ein Abkommen möglich, dass das italienische Innen- und Außenministerium Ende 2015 mit dem katholischen Verein Sant’Egidio sowie den evangelischen Kirchen und den Waldensern Italiens schloss.

 

„Nach langen Verhandlungen“, wie Cesare Zuccone sagt.

  • Die italienische Regierung stellt humanitäre Visa aus.
  • Die ökumenische Initiative kommt für Reisekosten und Unterkunft auf, für Integrationsmaßnahmen, Kindergarten, Schule, Sprachkurse, Gesundheitsversorgung und rechtliche Betreuung, bis die Asylverfahren abgeschlossen sind.

 

Im Libanon und in Marokko wählen die Gemeinschaften die Flüchlinge aus: Familien mit Kindern, Kranke, Menschen mit Behinderungen, Alte, Kriegswitwen, Opfer von Verfolgung und Folter.

 

  • „Wir wollen vermeiden, dass es Tote gibt, und den Menschen die lebensgefährliche Fahrt über das Mittelmeer ersparen“, schildert Cesare Zuccone von Sant’Egidio die Grundidee, „sie sollen auch nicht von Schleppern ausgebeutet werden.“


Noch im Abreiseland werden die Ausgewählten registriert und überprüft.

 

„Das ist ein zweiter Aspekt von Sicherheit“, erklärt Zuccone, „im Aufnahmeland kommen nur bereits überprüfte Personen an.“ 1.000 Menschen aus dem Nahen Osten und aus Afrika möchte die ökumenische Initiative innerhalb von zwei Jahren gefahrenlos nach Italien bringen.

 

Wer hat‘s erfunden?

Die legale Einreise von Flüchtlingen in die EU wurde und wird immer wieder gefordert. „Wir haben mit den humanitären Korridoren nichts erfunden“, sagt Cesare Zuccone, „in der europäischen Gesetzgebung ist alles vorgeschrieben.

 

  • Jeder EU-Staat soll und kann humanitäre Hilfestellungen geben – diese Gesetzgebung wird einfach nicht angewandt.“

Die nächsten kommen bald

In den nächsten zwei Wochen werden über die humanitären Korridore 150 syrische Kriegsflüchtlinge nach Italien kommen.

 

Schon Ende Februar wurden 93 Syrer, unter ihnen 41 Kinder, in Rom begrüßt. Sie leben heute in verschiedenen Regionen des Landes. In Bologna ist Diyas neues Zuhause. Der Bub hat im Bürgerkrieg ein Bein verloren. Mit seiner neuen Prothese übt er jetzt schon voll Hingabe Fußballspielen.


Falak wohnt mit ihrer Familie im römischen Stadtteil Trastevere. Gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder besucht sie den Kindergarten und spricht schon etwas Italienisch. „Ciao“ sagt sie, „mi chiamo Falak“ und „Come stai?“ – „Wie geht es dir?“. An der Kinderklinik Bambino Gesù wird Falak bestmöglich behandelt, ihr zweites Auge konnte  gerettet werden.

  • Ihr Leben haben vermutlich die humanitären Korridore gerettet.