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09.04.2016
P. Lintner zu "Amoris Laetitia"

Ordensmann Lintner: Papst nimmt mit "Amoris laetitia" synodalen Weg ernst

Provinzial der Tiroler Servitenprovinz, P. Lintner: "Franziskus hat gut zugehört, was die Bischöfe diskutiert und ihm schließlich geraten haben".

Papst Franziskus nimmt mit seinem Schreiben "Amoris laetitia" den von ihm selbst eingeleiteten synodalen Weg in der Kirche ernst. Das betont P. Martin Lintner, Provinzial der Tiroler Servitenprovinz, in einer Stellungnahme zum Papstschreiben.

 

Papst Franziskus folge ganz der Linie der beiden Bischofssynoden von 2014 und 2015. Das Schlussdokument der Bischofssynode im Oktober 2015 werde an vielen Stellen und sehr ausführlich vom Papst zitiert. P. Lintner: "Er hat gut zugehört, was die Bischöfe diskutiert und ihm schließlich geraten haben."
 

„Papst hat hingehört“

Ausdrücklich betone der Papst, dass die Synode selbst gut hingehört habe auf das, was die Gläubigen den Bischöfen gesagt haben, sodass das "Ergebnis der Überlegungen der Synode nicht ein Stereotyp der Idealfamilie ist, sondern eine herausfordernde Collage aus vielen unterschiedlichen Wirklichkeiten voller Freuden, Dramen und Träume", wie der Papst selbst schreibe.

Freilich bringe Franziskus nicht nur neue Inhalte. Er zitiere wiederholt die Katechesen des heiligen Papstes Johannes Paul II. zur "Theologie des Leibes", die Enzyklika über die Liebe "Deus caritas est" von Papst Benedikt XVI. und andere Texte des römischen Lehramtes. Auffallend sei, so P. Lintner, dass der Papst - wie schon in der Enzyklika Laudato si - auch verschiedene Bischofskonferenzen zitiert, "was deutlich macht, wie sehr der Papst im Dialog mit den Bischöfen stehen will". Daneben beziehe er sich auch auf moderne Autoren wie Erich Fromm oder Gabriel Marcel.

 

„Neue Sprache“

Papst Franziskus sei aber sichtlich darum bemüht, nicht nur "Altbekanntes" zu wiederholen, sondern mit einem spürbaren persönlichen Engagement und mit einer neuen Sprache zu reden. Lintner: "Man spürt förmlich, dass es ihm Freude bereitet, über die Liebe in der Ehe und Familie zu reden, und dass er diese Freude vermitteln möchte. Und man spürt, dass er weiß, an wen er sich wendet: An Menschen, die sich in ihrem Alltag mit unterschiedlichen Herausforderungen und Problemen konfrontiert sehen." Diese Menschen wolle er erreichen, ihnen wolle er nahe sein, sie begleiten und immer mehr in die Gemeinschaft der Kirche integrieren.

Der Papst mache es sich dabei nicht leicht: Einerseits lasse er keinen Zweifel an der Lehre der Kirche, die er zuallererst im Evangelium verankert sieht; andererseits scheue er es aber auch nicht, auf die Menschen zuzugehen, die in Formen von Partnerschaft und Familie leben, die den kirchlichen Normen nicht entsprechen. "Er lehnt eine rigoristische Haltung, die nur moralische Gesetze anwenden will und Menschen verurteilt, ebenso ab wie die oberflächliche Entscheidung, einfach alles für gut zu heißen", so Lintner.

Die Verpflichtung zur Wahrheit dürfe für den Papst kein Vorwand sein, in manchen Situationen nicht eine verständnisvolle und barmherzige Haltung gegenüber Betroffenen zu haben. Vielmehr spreche er vom evangeliumgemäßen "Primat der Liebe".

Im ganzen Schreiben werde zudem ein besonderer Akzent auf die Gewissensfrage gesetzt. Der Papst bringe sein Vertrauen in die Gewissenskompetenz der Gläubigen ebenso zum Ausdruck wie er mit Nachdruck auf die Aufgabe der Gewissensbildung insistiere, erläuterte P. Lintner.

Das Dokument birgt laut dem Südtiroler Ordensmann "viele Schätze, die es zu heben gilt": etwa die differenzierten Aussagen über die Sexualerziehung der Kinder und Jugendlichen, die Ehevorbereitung und Begleitung von jungen Ehepaaren, die positive Bedeutung von Erotik, Sexualität und des Erlebens von Lust in einer Beziehung wie auch die Gleichwertigkeit von Ehe und Ehelosigkeit.