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09.04.2016
Franziskus hat keine Angst vor Realität

Südtiroler Bischof Muser: Papst lädt nicht zu einfachem Weg ein

Bischof von Bozen-Brixen zu Papstschreiben "Amoris laetitia": Franziskus hat keine Angst vor der Realität.

Der Südtiroler Bischof Ivo Muser hat Bedenken zurückgewiesen, dass Papst Franziskus mit seinem Schreiben "Amoris laetitia" zum bequemen Weg des geringsten Widerstandes einlade. Das ganze Schreiben sei getragen von der Liebe und Wertschätzung des Papstes für die Ehe und die Familie. Nichts sei aber so anspruchsvoll wie die Liebe, so Muser. Deshalb braucht niemand zu fürchten, dass Franziskus mit "Amoris laetitia" zu einem allzu einfachen Weg ermutige, betonte der Bischof in einer Aussendung, in der er sich u.a. auch auf Aussagen von Kardinal Christoph Schönborn bei der Präsentation des Dokuments im Vatikan bezog.

Der Papst wisse sich ganz dem Evangelium verpflichtet und aus dieser Haltung heraus auch ganz den konkreten Menschen mit ihren oft leidvollen und gebrochenen Lebensgeschichten. Der Papst habe keine Angst vor der Realität und er lade ein, auf die Menschen zuzugehen, die in Formen von Partnerschaft und Familie leben, die nicht den kirchlichen Normen entsprechen.

Seelsorgliche Begleitung bräuchten freilich nicht nur die Ehepaare und Familien in den "sogenannten irregulären Situationen" sondern alle Ehen und Familien, bekräftigte der Bischof von Bozen und Brixen: "Wir alle sind unterwegs und noch nicht am Ziel."

Zwei Dimensionen des päpstlichen Schreibens wolle er besonders betonen, so der Südtiroler Bischof weiter: Papst Franziskus lade ein, "Urteile zu vermeiden, welche die Komplexität der verschiedenen Situationen nicht berücksichtigen". Dem Papst gehe es um den Blick auf die Wirklichkeit, nicht auf das Ideal.

 

"Aufmerksamkeit für Realität"

Bischof Muser: "Ohne Aufmerksamkeit für die Realität kann man weder die Bedürfnisse der Gegenwart noch den Ruf des Heiligen Geistes verstehen."Realismus helfe dabei, "ein allzu abstraktes theologisches Ideal der Ehe (...), das fast künstlich konstruiert und weit von der konkreten Situation und den tatsächlichen Möglichkeiten der realen Familien entfernt ist", zu vermeiden, wie der Papst schreibe. Idealismus führe dazu, dass die Ehe nicht als das gesehen wird, was sie ist, nämlich ein "dynamischer Weg der Entwicklung und Verwirklichung".

Zweitens unterstreiche Franziskus die Wichtigkeit der Gewissensbildung. Nur wo durch die Bildung des eigenen Gewissens das persönliche Unterscheiden gewachsen ist, könne es auch zu einem "pastoralen Unterscheiden" kommen.