Im Aushang der Wiener Kalasantinerkirche stand, dass Mitarbeiter für den Besuch kranker Menschen bei den Barmherzigen Brüdern gesucht werden“, blickt Carmen Reinhardt zurück. Nach einem Gespräch mit der Pflegedirektion beginnt sie im Jänner 2014.
Reinhardt besucht jeden Mittwoch kranke Menschen auf einer Station. „Ich versuche für jeden das zu tun, was im Moment nötig ist“. Das kann ein Handgriff sein, genauso wie ein Gespräch, oder eine Tröstung.
„Ich frage: Haben Sie schon etwas hinter sich, dann reden Sie“, so die Strategie der pensionierten Sekretärin. „Meine Aufgabe ist es, ein Hölzerl zu werfen“, schildert die verwitwete Frau.
Auch selbst hat sie Barmherzigkeit erfahren. „Ich bin viele Umwege gegangen“, erzählt Reinhardt. Ein Weihnachtsgottesdienst in der Karlskirche 1986 führt sie zum Glauben.
Carmen Reinhardt engagiert sich im Krankenhaus in Wien-Leopoldstadt auch in „Johnny’s Leseambulanz“. Die ist nach dem heiligen Johannes von Gott, dem Gründer der Barmherzigen Brüder benannt. Montagnachmittags betreut sie die Bibliothek, zwischen Haupteingang und Cafeteria. Romane, Belletristik, medizinische Literatur stehen für Patienten und Angehörige bereit.
„Ich habe schon ganze Lebensgeschichten erfahren, es ist ein wunderbarer Austausch, manchmal auch ein Gespräch von Herz zu Herz“, berühren Carmen Reinhardt die Begegnungen mit dem leseinteressierten Publikum.
Die Geschichten der Menschen beschäftigen sie, vor dem Nachhause gehen betet sie in der Kapelle und gibt diese bei Gott ab: „Damit ich auch loslassen kann.“