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06.04.2016

Armenische Kundgebung in Sichtweite der OSZE-"Minsk Group"

Große Sorge in der armenischen Community wegen der azerbaidschanischen Angriffe auf Berg-Karabach. Appell der Armenisch Apostolischen Kirche in Österreich

 Eine große armenische Kundgebung hat sich am Dienstag vor dem Erzherzog Karl-Denkmal auf dem Wiener Heldenplatz - in Sichtweite der Tagungsräume der "Minsk Group" - versammelt. Der "Minsk Group", die eine Lösung des Problems Berg-Karabach (Arzach) herbeiführen soll, gehören Russland, die USA, Frankreich, Weißrussland, Finnland, Deutschland, Italien, Schweden und die Türkei an. Seit den Angriffen auf die Frontlinie zwischen Azerbaidschan und Berg-Karabach herrscht in der weltweiten armenischen Community größte Besorgnis. Nach Dutzenden Toten auf beiden Seiten kam noch am Dienstag eine Waffenruhe zustande, deren Bestand allerdings als ungewiss gilt.

 

Armenische Geistliche auf der Kundgebung

Bei der Kundgebung auf dem Heldenplatz, an der auch armenisch-apostolische und armenisch-katholische Geistliche sowie viele junge Leute teilnahmen, wurden armenische Fahnen geschwenkt und armenische Lieder eingespielt. Auf Transparenten war u.a. zu lesen: "Wir wollen Frieden und Stabilität", "Azerbaidschan - Hände weg von Arzach", "Respektiert unser Recht auf Leben und auf Selbstbestimmung", "Minsk Group - Ihr müsst Alijews Aggression stoppen". Auch Bilder der zivilen Opfer der azerbaidschanischen Attacken - unter ihnen eines älteren Ehepaares und einer 92-Jährigen aus dem Dorf Talysch - wurden hochgehalten. Die Teilnehmer der Kundgebung hielten eine Schweigeminute für die Opfer.

Kurzfristig versammelte sich vor dem Prinz Eugen-Denkmal auf der anderen Platzseite eine azerbaidschanische Gegendemonstration, die sich aber bald wieder zerstreute.

 

Statement der "Minsk Group"

Die "Minsk Group" veröffentlichte am Dienstag ein Statement, in dem "der Ausbruch unerhörter Gewalt" an der Waffenstillstandslinie zwischen Azerbaidschan und Berg-Karabach scharf verurteilt wird. Wörtlich heißt es im Statement weiter: "Wir drücken allen betroffenen Familien unser Beileid aus. Wir fordern beide Seiten auf, den Einsatz von Gewalt sofort einzustellen. Es gibt keine militärische Lösung für den Konflikt." Die Region Berg-Karabach, die überwiegend von Armeniern besiedelt ist, hatte sich in den 1990er-Jahren in einem Krieg von Azerbaidschan losgesagt. Die Regierung in Baku wirft Armenien seither vor, azerbaidschanisches Gebiet völkerrechtswidrig besetzt zu halten. Die jüngste Eskalation hatte sofortige Verhandlungen über eine umfassende Lösung - unter der Schirmherrschaft der "Co-Chairs" der "Minsk Group" - notwendig gemacht.

 

Appell an Regierung in Wien

In einer Aussendung der Wiener Armenisch-Apostolischen Kirchengemeinde (AAKG) und weiterer armenischer Organisationen in Österreich am Mittwoch 6. April 2016, wird an die österreichische Regierung appelliert, die aserbaidschanische Aggression zu verurteilen. "Die Regierung in Aserbaidschan sollte unmissverständlich Klarheit darüber haben, dass Österreich als Mitgliedsstaat der EU nicht passiv bleiben wird, wenn diese Aggression geduldet werden sollte", so die AAKG, und weiter: "Wir erwarten von der österreichischen Regierung, dieses wichtige Thema auch bei europäischen und internationalen Institutionen zur Sprache zu bringen, um weitere Eskalationen zu verhindern."

Die Angriffe Aserbaidschans auf Bergkarabach brächten nicht nur auf regionaler, sondern auch auf internationaler Ebene "den Frieden in Gefahr". Deshalb müssten gegebenenfalls auch Sanktionen beschlossen werden, fordert die AAKG.

 

Gebet für den Frieden

Ein "Gebet für den Frieden in Bergkarabach und dem ganzen transkaukasischen Raum" wurde unterdessen am Dienstagabend in der Kapelle des Genfer "Ökumenischen Zentrums" abgehalten. "Friede ist unsere Mission und Botschaft als Christen in der Welt", sagte der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Olav Fykse Tveit, bei der Eröffnung.

Es sei von entscheidender Bedeutung, dass die politischen und militärischen Führungspersönlichkeiten in der Region das Waffenstillstandsabkommen für Bergkarabach vom Mai 1994 respektieren und sich dem Dialog zuwenden, so Tveit. Die internationale Gemeinschaft müsse alle Anstrengungen unternehmen, um die Stimmen aus der Region zu hören, der Eskalation der Spannung entgegenzuarbeiten und die Zivilbevölkerung zu schützen. Weiters appellierte Tveit an die "Minsk Group" der OSZE, rasch zu agieren, um die Situation zu entspannen und einen dauerhaften Frieden herbeizuführen, "der die Bestrebungen des Volkes von Bergkarabach respektiert".