Hilfen beim "kreativen Weiterbauen von Kirche" liefert die Erzdiözese Wien mit ihrem Innovationsfonds, der sich steigender Nachfrage erfreut. Man wolle das Entstehen neuer Netzwerke unterstützen, besonders bei kleinen Pastoralprojekten für Kinder und Jugendliche sowie für Menschen mit wenig Kontakt zu Kirche, erklärte die Zuständige im Generalvikariat, Nina Sevelda-Platzl, am Freitag, 1. April 2016 gegenüber "Kathpress". Genehmigte Projekte erhalten bis zu 5.000 Euro Förderung; insgesamt werden für das Arbeitsjahr 2016/17, für das am 15. Mai die erste Einreichfrist endet, 65.000 Euro aus dem Diözesanbudget bereitgestellt.
Gegründet wurde der Fonds im Jahr 2013, um den Pfarren und kirchlichen Einrichtungen "Lust zu machen auf Zusammenarbeit, auf den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus und das gegenseitige Näherkommen im gemeinsamen Tun", erläuterte Sevelda-Platzl. Von den 120 Projekten, die bisher unterstützt wurden, habe es "durch die Bank sehr positive Rückmeldungen" gegeben. Erfreulich sei auch das steigende Interesse: Waren es anfangs pro halbjährlichem Durchgang 20 unterstützte Projekte, seien es nun bereits 30.
Ebenso wie der Fonds im Zuge des diözesanen Reformprozesses das Zusammenwirken über die ursprünglichen Pfarrgrenzen hinaus ("Pfarre Neu") stimulieren soll, ist laut der Verantwortlichen der Erzdiözese auch die Kreativität und Vielfalt der geförderten Projekte grenzenlos: Die Liste reicht über karitative, künstlerische und musikalische Initiativen über solche der Öffentlichkeitsarbeit, der Ökumene und des interreligiösen Dialogs bis hin zu pfarrübergreifenden Fortbildungen für Ehepaare oder Sportveranstaltungen.
Unterstützt wurden bisher beispielsweise ein katholisch-evangelischer Jugendtag, eine gemeinsame Zeitung mehrerer Pfarren, eine pfarrübergreifende Ausbildung für Jugendleiter oder die Reihe "Theologie vom Fass", bei der junge Theologen Lebensthemen aufbereiten und ins Wirtshaus einladen, um dort bei einem Getränk mit Experten ins Gespräch darüber zu kommen. Ein "Glaubenswald" in Wien-Hernals stellte Glaubenszeugnisse von Pfarrmitgliedern auf von einem Künstler stilisierten Bäumen an den Sonntagen an belebten Wiener Plätzen aus, und auch ein von Patienten einer psychiatrischen Anstalt gestalteter Kreuzweg sorgte für viel Aufmerksamkeit.
Oftmals kann die Fonds-Unterstützung auch zu fortdauernden Initiativen beitragen. Bereits fünfmal durchgeführt wurde etwa die Aktion "Grenzenlos Kochen" in Absdorf (Bezirk Tulln), wo in Zusammenarbeit von Marktgemeinde und Pfarre vor Ort lebenden Menschen aus verschiedenen Nationen gemeinsam mit einheimischen Köchen traditionelle Speisen aus den jeweiligen Herkunftskulturen zubereiteten. Zum Verköstigen wurden alle Interessierte eingeladen, die Spenden der Besucher sozialen Zwecken zugeführt. "Es war eine Gelegenheit des Gesprächs und Kennenlernens, bei dem auch die aktuelle Flüchtlingssituation Gesichter erhielt und Barrieren im Kopf abgebaut wurden", berichtete Sevelda-Platzl.
Über die Mittelvergabe an die Projektansuchen - der Antrag mit Beschreibung soll auch Zeit- und Finanzplan enthalten - entscheidet eine Jury mit Bischofsvikaren und anderen Vertretern der Erzdiözese, der Orden sowie der Kinder- und Jugendpastoral. Kriterium ist dabei, dass das Projekt Menschen erreicht, die noch wenig Berührungspunkte mit der Kirche haben, der kreative Weg in der Seelsorge, die Vernetzung mehrerer Partner, die ehrenamtliche Tätigkeit der Träger sowie auch ein Bezug zur Kinder- und Jugendpastoral, der 30 Prozent der Fondsgelder vorbehalten sind.