Meine Eltern haben mich sehr umsorgt“, erinnert sich Annemarie Felbermayer ans Aufwachsen in Wien-Leopoldstadt. Nach der Handelsschule ist sie Jahrzehnte in einem großen Handelskonzern in der Buchhaltung tätig. „Als ich in Pension ging, dachte ich, was mache ich jetzt?“ Ihr kommt der Gedanke: „Ich ruf einmal bei der Caritas an.“
Das Angebot der freiwilligen Mitarbeit wird gerne angenommen. „Begonnen habe ich 2004 in der Notschlafstelle in der Lacknergasse als Büglerin, danach habe ich beim Essenausgeben mitgeholfen, später wechselte ich ins Rupert Mayer Haus in Ottakring, vor fünf Jahren dann in die Gruft“, schildert sie ihren „sozialen Werdegang“.
Einwände gab es von ihrem Mann Johann nie, im Gegenteil. Sie motiviert auch ihn, als er in Pension geht. Da hilft er bei der Betreuung von Flüchtlingskindern und beim Luise-Bus der Caritas, der obdachlosen Menschen medizinische Hilfe leistet.
Annemarie Felbermayer ist wöchentlich fünf Stunden im Betreuungszentrum Gruft in Wien-Mariahilf tätig. „Ich mache viele Begleitungen zu Ämtern, denn obdachlose Menschen brauchen eine Identitätszeugin, da sie keine Papiere haben“. Sie hat keine Berührungsängste gegenüber obdachlosen Menschen, „i mog’s“, bringt sie ihre Nächstenliebe auf den Punkt.
Neben der Gruft ist sie im Haus Franziskus in der Tagesbetreuung für Menschen mit Behinderungen tätig und im Betreuten Wohnen des Rupert-Mayer Hauses für ältere Menschen. „Der Dank der Leute ist eine Bestätigung für mein Tun und Motivation zugleich.“