Macht und Besitz müssen aus Sicht von Papst Franziskus immer mit der Verantwortung für das Gemeinwohl verbunden sein. Gepaart mit Egoismus und Arroganz würden Einfluss und Geld zu Instrumenten der Korruption und des Todes, sagte Franziskus am Mittwoch, 24. Februar 2016, bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz. Er rief dabei Politiker und Verantwortungsträger auf, von einem Streben nach "mehr und noch mehr" abzulassen und den Menschen zu dienen.
Materielle Güter müssten im Geist der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe eingesetzt werden, sagte der Papst. Er bezog sich in seiner Katechese auf die alttestamentliche Erzählung von Nabot, der sich weigert, König Ahab seinen Weinberg zu verkaufen. Daraufhin bezichtigt ihn Ahabs Frau Isebel fälschlich der Gotteslästerung, damit er hingerichtet wird. "Es ist eine Geschichte von heute", so Franziskus: "Auch heute beuten die Mächtigen andere aus, um mehr Geld zu verdienen. Es ist die Geschichte des Menschenhandels, der Sklavenarbeit, der armen Leute, die schwarz für ein Minimum arbeiten, um die Mächtigen reicher zu machen; es ist die Geschichte der korrupten Politiker, die mehr und mehr und mehr wollen."
Allerdings sehe Ahab danach ein, dass er schlecht gehandelt habe, und bitte Gott um Vergebung. Dieser erweise dem König seine Barmherzigkeit und schicke ihm den Propheten Elia, weil der Sünder zur Umkehr bereit sei. Das Übel, das er angerichtet habe, sei unumkehrbar. Doch "die göttliche Barmherzigkeit ist stärker als die Sünde der Menschen." Dies habe Gott ihnen vor allem durch seinen Sohn Jesus Christus gezeigt. "Er ist kein König, der tötet, sondern der im Gegenteil das Leben gibt."
Auf dem Petersplatz grüßte Franziskus heute auch eine Gruppe von Studierenden der Theologie und des Kirchenrechts der Universität Wien. Er lade sie ein, "im Alltag Solidarität mit den Schwachen zu üben und die Schöpfung als Erbe für die Kinder zu bewahren". An der Audienz nahmen auch 200 italienische Strafgefangene und freiwillige Helfer teil. Nach der Katechese auf dem Petersplatz überreichten sie dem Papst einen selbstgemachten großen Käselaib. "Es ist ein guter Käse, gemacht von Menschen, die Böses getan haben", zitierte Radio Vatikan Käsemeister Antonello Guadagni. Er selbst habe im Gefängnis mit Hilfe der katholischen Gemeinschaft "Papa Giovanni XXIII" den Weg zurück in die Gesellschaft gefunden, sagte Guadagni.