Papst Franziskus hat am Neujahrstag zu einem gewaltlosen und nachhaltigen Einsatz für den Frieden aufgefordert. "Der Feind des Friedens ist nicht nur der Krieg, sondern auch die Gleichgültigkeit", sagte er am Freitag beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz. Frieden müsse in einem "geistlichen Kampf" auch in den Herzen "erobert werden", so der Papst vor mehreren zehntausend Menschen. Die katholische Kirche begeht am 1. Jänner 2016ihren Weltfriedenstag. Er steht in diesem Jahr unter dem Leitwort: "Überwinde die Gleichgültigkeit und gewinne den Frieden".
Es sei Aufgabe des Menschen, den Frieden zu kultivieren, den Gott säen wolle, betonte der Papst. Oft seien die Menschen jedoch so mit Informationen überflutet, dass sie ihre hilfsbedürftigen Brüder und Schwestern aus dem Blick verlören. Am Anfang aller Bemühungen um Frieden müsse daher die Öffnung des Herzens für den Mitmenschen stehen.
Franziskus lobte ausdrücklich den nationalen Friedensmarsch in Italien, den die katholische Kirche des Landes zusammen mit Pax Christi am Donnerstag in Molfetta organisierte. Weiter würdigte er die Friedenskundgebung der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio am Freitag in Rom. "Liebe Freunde, ich ermutige euch eure Bemühungen um Versöhnung und Eintracht fortzusetzen".
Bereits zuvor hatte der Papst am Freitagvormittag in seiner Neujahrspredigt zum "Aufbau einer gerechteren und brüderlicheren Welt" aufgerufen. Im traditionellen Petersdom-Gottesdienst zum Jahresbeginn forderte er eine Welt, "wo jeder Mensch und jedes Geschöpf in Frieden leben kann, in der Harmonie der ursprünglichen Schöpfung Gottes". Es gelte, "die Gleichgültigkeit zu überwinden, die die Solidarität vereitelt, und aus der falschen Neutralität herauszutreten, die das Miteinander-Teilen behindert", so Franziskus. Jesus rufe die Menschen auf, seine Mitarbeiter bei diesem Projekt zu werden.
Franziskus rief zum Vertrauen auf die Kraft des Glaubens auf. Schon die Menschwerdung Gottes in Jesus vor 2.000 Jahren habe in Widerspruch zur "dramatischen geschichtlichen Erfahrung" gestanden. Auch damals hätten Krieg und Gewalt geherrscht. Dennoch sei dieser "reißende Fluss" machtlos gegen den "Ozean der Barmherzigkeit". Die Kraft des Glaubens könne bewirken, "was weder die Vernunft der Philosophen noch die Verhandlung der Politik zu erreichen vermag". So könne der Glaube der Vernunft und den Verhandlungen neue Wege weisen, meinte der Papst.
Bei der Neujahrsmesse im Petersdom wirkten auch Sternsinger mit: Charlotte Schön (12), Stefan Waldau (10) und Ulrich Bittl (12), drei Kinder aus der deutschen Diözese Eichstätt, brachten dem Papst als Heilige Drei Könige mit Krone und Gewand kostümiert Wein und Brot für die Kommunion. Das Trio führte die Prozession zum Altar an. Franziskus wechselte einige Worte mit dem Mädchen. Insgesamt waren 15 Sternsinger bei dem Gottesdienst zugegen, begleitet vom Präsidenten des Kindermissionswerks "Die Sternsinger", Klaus Krämer. Bereits zum 12. Mal in Folge brachten somit Sternsinger aus Deutschland dem Papst beim Neujahrsgottesdienst die Gaben.