Samstag 4. Juli 2026

Schnellsuche auf der Website

20.12.2015
Angelus am Petersplatz am 20. Dezember 2015

Papst: Weihnachten muss man an "Orten des Staunens" feiern

Franziskus bei Angelus-Gebet: Erster Ort des Staunens ist der Mitmensch.

Wer "gewinnbringend" Weihnachten feiern will, sollte sich nach den Worten von Papst Franziskus an "Orte des Staunens im täglichen Leben" begeben. Der erste dieser Orte sei der Mitmensch, vor allem Arme und Bedürftige, sagte der Papst am Sonntag, 20. Dezember 2015 beim traditionellen Angelus-Gebet auf dem Petersplatz. "Gott ist als Armer in die Welt eingetreten, und vor allem arme Menschen ließ er an sich heran", so Franziskus.

"Gott von Weihnachten mischt die Karten neu"

Auch die Geschichte sei ein Ort des Staunens, wenn man sie mit den Augen des Glaubens betrachte, sagte er weiter. Denn oft sei dann alles ganz anders als zunächst gedacht. Auf den ersten Blick etwa könnte es scheinen, als werde die Geschichte von den wirtschaftlichen Interessen der Mächtigen bestimmt. Papst Franziskus: "Der Gott von Weihnachten hingegen mischt die Karten neu: Er stürzt - wie Maria im Magnificat singt - die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen!"

Die Kirche sei ein weiter Ort des Staunens. Wer genau hinschaue, der sehe in ihr "nicht nur eine religiöse Institution", sondern nehme sie als Mutter wahr, erklärte der Papst. "Eine Mutter, die trotz vieler Altersflecken und Falten doch die Umrisse der von Christus geliebten und gereinigten Braut erkennen lässt." Für diese Kirche werde Jesus nie ein "Besitzstück", das sie eifersüchtig zu verteidigen hat.

Ausgangspunkt der Äußerungen war das Tagesevangelium, das die Begegnung der schwangeren Gottesmutter Maria mit ihrer gleichfalls schwangeren Cousine Elisabeth schildert. Elisabeth habe darüber gestaunt, dass Maria als Mutter von Gottes Sohn zu ihr nach Hause komme, so der Papst.

Teil des Angelus-Gebetes war am Sonntag auch eine Krippensegnung. Franziskus segnete Tausende Krippenfiguren, die römische Kinder am Sonntag auf den Petersplatz mitbrachten - vom Jesuskind bis hin zu Ochs und Esel. "Liebe Kinder, wenn Ihr vor Eurer Krippe betet, dann denkt bitte auch an mich, wie auch ich an Euch denke. Ich danke Euch. Frohe Weihnachten", sagte der Papst den rund 3.000 Kindern. Die Krippe auf dem Petersplatz war am Freitag erstmals erleuchtet worden. Sie stammt in diesem Jahr aus dem norditalienischen Tesero in der Nähe von Trient.


Papst an Costa Rica und Nicaragua: "Beendet Grenzstreit!"

Im Rahmen des Angelus-Gebets hat Franziskus außerdem Costa Rica und Nicaragua zur Beilegung ihres Grenzstreits aufgefordert. Zwischen den beiden lateinamerikanischen Nachbarstaaten müssten der "Geist der Brüderlichkeit" erneuert und der Dialog verstärkt werden. Zugleich deutete er seine Bereitschaft an, zwischen beiden Ländern zu vermitteln. "Ich möchte auch die Bemühungen um Zusammenarbeit fördern, zu denen Costa Rica und Nicaragua aufgerufen sind", so Franziskus weiter.

Der Internationale Gerichtshof in Den Haag entschied am Mittwoch, dass das von beiden Ländern beanspruchte Gebiet an der Mündung des Grenzflusses zum Staatsgebiet von Costa Rica gehöre. Die Richter in Den Haag befanden, dass das rund 2,5 Quadratkilometer große Gebiet 2010 widerrechtlich von Nicaragua besetzt worden sei.

Sie verurteilten Nicaragua zur Zahlung von Schadenersatz an das Nachbarland. Über die Höhe müssten sich beide Staaten innerhalb der nächsten 12 Monate verständigen. Costa Rica war 2010 vor das höchste UN-Gericht gezogen, nachdem Nicaragua die Insel Calero besetzt hatte.

Mit Bezug auf den UN-Friedensplan für Libyen meinte der Papst: "Die Vereinbarung der streitenden Parteien, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden, lädt zur Hoffnung auf die Zukunft ein". Vertreter der zwei konkurrierenden Parlamente Libyens hatten am Donnerstag auf Vermittlung der UN hin in Marokko einen Friedensplan unterzeichnet, der die Bildung einer Einheitsregierung vorsieht. Das Papier legt zudem fest, dass die internationale Gemeinschaft Hilfe zur Stabilisierung der Sicherheit im Land leisten soll.