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Charlotta Smeds
14.12.2015

Heiliges Jahr vom Rand her

Bangui statt Rom, Holz statt Bronze; Stall statt Palast. von Gudrun Sailer

Am Dienstag öffnet Papst Franziskus die Heilige Pforte am Petersdom.

 

Er wird mit beiden Händen die Flügel des monumentalen Bronzeportals aufstoßen, an der Schwelle im Gebet verharren und die Pforte der Barmherzigkeit sodann als erster Pilger durchmessen.

 

Auch wenn Franziskus klerikale Bühnenshows nicht schätzt: die Bilder werden telegen ausfallen.


Gerne schauen wir auf Rom – mit einem katholischen Gewohnheitsblick.

 

 

Wer mitunter als Störsender dazwischenfunkt, ist Papst Franziskus.

 

Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit nämlich, das mit dem päpstlichen Ritual der Pfortenöffnung hätte starten sollen, läuft bereits.

 

Franziskus hat es letzte Woche an einem zutiefst peripheren Ort eröffnet: in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik. Kein anderes Staatsoberhaupt hätte eine Reise in dieses Land überhaupt riskiert.


In dieser blutigen und staubigen Metropole mitten auf dem ärmsten Kontinent hat der Papst eine seiner Überraschungsgesten gesetzt.

 

Mit einem Gebet des Friedens „beginnen wir nun das Heilige Jahr, hier, in dieser geistlichen Hauptstadt der Welt, heute“, sagte er.

 

Es war keine Vorpremiere, nein, es war eine Weltpremiere: ein katholisches Jubeljahr, das weitab vom Vatikan beginnt. Bangui statt Rom, Holz statt Bronze; Stall statt Palast. Ein Franziskus-typischer Coup.

 

Vom Rand her sieht man Jesus besser. Beim Blick auf den Rand gehen uns die Augen auf.