Welche Rolle spielt das Glück in der Religion, in der Ethik?
Zsifkovits: Das Glück spielt in den Fragen der Religion und in der Ethik eine sehr wichtige Rolle. Denn Religion bietet Antwort auf die Fragen nach dem Woher, Wohin und Wozu des menschlichen Lebens, nach Frieden und Heil im Diesseits und im Jenseits. Die Ethik wiederum kann kurz als Theorie gelungener bzw. geglückter Lebensführung umschrieben werden.
Dabei ist nicht zu vergessen, dass es drei Arten von Glück zu unterscheiden gilt:
Die letztgenannte Art des Glücks ist hier gemeint.
Ist das biblische „Leben in Fülle“ (vgl. Joh 10,10) eine Umschreibung für das Glück?
Zsifkovits: Das Jesuswort: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ beinhaltet sicherlich auch das zuvor umschriebene Glück, geht aber über dieses irdische Glück hinaus: Es ist der Anbruch des ewigen Glücks.
Warum ist ein genereller Ethikunterricht (bislang nur auf Basis von Schulversuchen) für all jene sinnvoll, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen?
Zsifkovits: Genereller Ethikunterricht als Pflichtfach für alle, die sich vom Religionsunterricht abmelden, ist aus folgenden Gründen sinnvoll: weil alle Schüler explizit in normativer Ethik, also in ethische Werte und Normen mit Herz und Vernunft, begründend und motivierend unterwiesen werden sollen.
Im Religionsunterricht geschieht dies in klar etikettierter Weise. Den Vorschlag von A. Bucher, „Ethik und Religionskunde“ als Pflichtfach für alle einzuführen, halte ich aus den eben erwähnten Gründen nicht für so gut.
Kann „Glück“ als Schulfach gelehrt werden?
Zsifkovits: Ein eigener Glücksunterricht scheint mir nicht sehr sinnvoll zu sein, weil der Glücksbegriff inhaltlich sehr weltanschaulich gebunden ist und ein inhaltlich nicht etikettierter Glücksunterricht für ideologische Unterwanderung bzw. solchen Missbrauch zu offen wäre.
Das Glück wird heute gerne all zu leicht und all zu schnell verheißen. Wie kann das Christentum dagegen immunisieren?
Zsifkovits: Das Christentum kann gegen problematische Glücksverheißungen auf folgende Weise immunisieren: Vor allem durch Glaubwürdigkeit in Wort und Tat.
Zunächst zur argumentativen Glaubwürdigkeit in der Lehre bzw. Verkündigung: Die LehrerInnen bzw. VerkündigerInnen müssen mit stichhaltigen Argumenten aufzeigen, warum manche Glücksverheißungen in die Sackgasse des Unglücks führen und warum religiöse Wahrheiten und Wegweisungen längere „Halbwertzeiten“ besitzen, um mich einmal so auszudrücken.
Die Glaubwürdigkeit in der Tat besagt: das Christentum muss in seinen Institutionen und im Leben seiner Mitglieder vorbildhaft die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe sowie die vier Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Starkmut und Mäßigkeit zu verwirklichen trachten.
Attraktive Alternativen sind ein guter Schutz vor Verführung. „Seht, wie sie einander lieben“ im Sinne der Bibel ist eine attraktive Vorbildlichkeit.