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24.06.2015
Podiumsdiskussion in Wien

Öko-Enzyklika soll zum "Megaphon in die Politik" werden

Podiumsgespräch der Katholischen Sozialakademie zur Enzyklika "Laudato si" in Wien.

Die Öko-Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus soll zum "Megaphon in die Politik" werden und dringend notwendige Veränderungsprozesse anstoßen. Das hat der Präsident des Weltdachverbandes katholischer Entwicklungsorganisationen (CIDSE), Heinz Hödl, am Mittwoch, 24. Juni 2015 in Wien bei einem Podiumsgespräch zum päpstlichen Rundschreiben erklärt.

 

Derzeit gebe es noch viel zu viele "stumme Zeugen einer extrem ungerechten Welt" mit einem Weltwirtschaftssystem, das Menschenrechtsverletzungen als Kollateralschäden in Kauf nimmt. Dem stelle sich der Papst mit seiner Enzyklika entgegen und bringe einen kräftigen Schub für alternative Ökonomiemodelle, die überall auf der Welt entstehen, wie Hödl hinwies. Die Kirchen hätten die Pflicht, diese Modelle konsequent zu unterstützen.

 

Neben Hödl, der auch Geschäftsführer der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO) ist, nahmen auch der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) und Paloma Fernandez de la Hoz von der Katholischen Sozialakademie (ksoe) an einem neuen Format teil: Das von Magdalena Holztrattner moderierte "ksoe-Frühstück" im "JesuitenFoyer" soll Fachleute zu Themen zusammenführen, die der ksoe und den Wiener Jesuiten wichtig sind und zu einer fixen Einrichtung werden, wie "Gastgeber" P. Friedrich Sperringer SJ sagte.

 

Internationale Klimakonferenz Anfang Juli im Vatikan

Politisches Gewicht wird die Papst-Enzyklika nach Überzeugung Hödls u.a. durch eine hochrangige internationale Klimakonferenz im Vatikan am 2. und 3. Juli bekommen, die vom Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden und der CIDSE (kurz für: (Coopération Internationale pour le Développement et la Solidarité) organisiert wird. Unter den angekündigten Wissenschaftlern, Politikern, Menschenrechtsexperten und Kirchenvertretern sind u.a. Ottmar Edenhofer vom Weltklimarat IPCC, der Umweltminister von Gambia, Pa Ousman Jarju, die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein oder die frühere UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson. Auch die Kurienkardinäle Francis Turkson und Pietro Parolin werden Vorträge halten.

 

Die Enzyklika "Laudato si" komme auch im Hinblick auf nichtkirchliche internationale Konferenzen "zur rechten Zeit", wies Hödl auf die heuer anstehenden UN-Gipfelgespräche in Addis Abeba (zum Thema Entwicklungsfinanzierung, 11.-12. Juli), New York (Millennium+15; 25.-27. September) und Paris (Klimakonferenz; 30. November-11. Dezember) hin. Die in New York zur Festlegung der globalen Entwicklungsziele wird vom Papst eröffnet; laut Hödl "zittern die Politiker schon ein wenig, was Franziskus dort sagen wird". Seine Botschaft, wonach die Klimakrise in wirtschaftlichen und politischen Unrechtsverhältnissen wurzelt, werde dort Gehör finden, ist sich der kirchliche Entwicklungsexperte sicher.

 

Als Beispiel für Missstände, an deren Veränderung alle gesellschaftlichen Kräfte und auch jeder einzelne mitwirken müsse, nannte Hödl heute gebräuchliche Smartphones, "an denen Blut klebt" - von Ausgebeuteten im Kongo oder auf den Philippinen. Gerade Christen müssten dagegen aufstehen und "legitimen Druck" erzeugen. Veränderung sei möglich, betonte Hödl, "die Hoffnung darauf schöpfen wir aus dem Glauben".

 

Arsenios: Probleme erfordern Zusammenhalt

Metropolit Arsenios betonte, die Papstenzyklika sei auch für Orthodoxe ein wichtiges Dokument. Nicht umsonst betone Franziskus die Gemeinsamkeit bei der Lösung der anstehenden ökologischen Probleme, diese reiche auch weit über die Grenzen der Kirchen hinaus. Arsenios erinnerte daran, dass auch in der Weltorthodoxie die Bewahrung der Schöpfung seit langem ein großes Anliegen ist: Patriarch Dimitrios I. habe 1989 den "Tag der Schöpfung" am 1. September etabliert, sein Nachfolger Bartholomaios I. gelte als "grüner Patriarch" und werde von Franziskus in seiner Enzyklika zitiert.

 

Der Metropolit unterstrich, dass die Beilegung der ökologischen Krise auch eine spirituelle Dimension erfordere. Arsenios nannte den biblischen Begriff der Metanoia, der Buße und Umkehr, als erforderliche Haltung gegenüber der Schöpfung als Geschenk Gottes.

 

"Unmissverständliche Botschaft" des Papstes

In der katholischen Soziallehre seien die Themen Ökologie und Entwicklung bereits von mehreren Vorgängern von Papst Franziskus angesprochen worden, wies ksoe-Fachfrau Paloma Fernandez de la Hoz hin. Die Enzyklika "Laudato si" berufe sich neben der katholischen Tradition aber auch auf andere Autoritäten und unterscheide sich von vergleichbaren Dokumenten im Duktus: Franziskus habe "in verständlicher Sprache eine unmissverständliche Botschaft formuliert", die sich an die gesamte Menschheit richte.

 

Fernandez de la Hoz wandte sich gegen die Titulierung des Papstschreibens als "Öko-Enzyklika"; die von Franziskus angesprochenen Probleme solten auch in ihrer politischen und sozialen Dimension gesehen werden. Der Papst plädiere für eine ganzheitliche Ökologie, die auch Erziehung oder Spiritualität umfasse.

 

Die ausformulierten Stellungnahmen von Hödl, Arsenios und Fernandez de la Hoz sind auf den Websites von KOO www.koo.at, der griechisch-orthodoxen Kirche www.metropolisaustria.at und der ksoe www.ksoe.at nachzulesen.