Die Absicht des Papstes, mit seiner Enzyklika über die Kirche hinausgehende Impulse zu geben, dürfte aufgehen: In den Umweltorganisationen und -parteien hat er jedenfalls Partner für den Klimaschutz gefunden, zeigen die ersten Reaktionen am Tag der Veröffentlichung.
Dass der Klimawandel "nicht mehr nur eine wissenschaftliches, sondern zunehmend auch eine moralisches und ethisches Problem" sei, betonte die Umweltorganisation WWF in einer Stellungnahme. Die Papst-Enzyklika, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lasse, ergänze die Klimadebatte "moralisch". Zu hoffen sei, "dass sich das Wort des Papstes nicht nur auf alle gläubigen Katholiken sondern auf alle Menschen in der Welt auswirken wird", erklärte WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides, die besondere Strahlkraft des Lehrschreibens für den Papst-Heimatkontinent Lateinamerika erwartete.
Durchaus habe Franziskus in "Laudato si" die "brennendsten Zukunftsfragen formuliert" und auf die Dringlichkeit eines nachhaltigen Weges gewiesen, so Johanides. Er habe sich auch "den Leugnern und Skeptikern entgegengestellt", indem er die etablierte Wissenschaftsmeinung eines vor allem menschengemachten Klimawandels aufgegriffen habe. Laut Meinung des WWF würde die Enzyklika einen "historischen Wandel" für die katholische Kirche darstellen, da der Mensch nun "als gleichberechtigter Teil der Natur statt als deren Herrscher" angesehen werde.
"Alle Entscheidungsträger, ob religiös oder säkular, sind aufgefordert, dem Aufruf des Papstes Taten folgen zu lassen", erklärte Kumi Naidoo, International Executive Director von Greenpeace, in einer Aussendung der Umweltorganisation. Franziskus' "klare und direkte Worte" etwa über die Schwächen der internationalen Politik seien ein "wertvoller Beitrag" im gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel und bringe einen Schritt näher an die Energiewende.
Als "bedeutendes Signal für den Klimaschutz" würdigte auch die Umweltorganisation Global 2000 die Enzyklika. Klima- und Umweltschutz sollte nach der Erklärung des Papstes nun "noch stärker in der Politik gehört und berücksichtigt werden", erklärte Geschäftsführerin Leonore Gewessler auch mit Blick auf die österreichische Politik und deren bislang unerfüllten Versprechungen einer Verdoppelung der Beiträge für den Green Climate Fund. "Mit schönen Worten retten wir das Klima nicht, es braucht jetzt Taten."
Dankbar äußerte sich der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) gegenüber den "klaren" Papstworten: Die Enzyklika sei ein Weckruf an die Politik, verstärkte Klimaschutz-Maßnahmen umzusetzen - auch im Verkehr, wo es besonders viel Potenzial für eine drastische Verringerung der klimaschädlichen CO2-Emissionen gebe.