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Gaumenfreundinnen
18.06.2015

Nachhaltig leben: Die Gaumenfreundinnen

Zwei junge Frauen setzen mit ihren mobilen Küchenwagen auf nachhaltiges Catering.

Andere Leute lesen vor dem Schlafengehen einen Krimi, ich lese ein Kochbuch“, schmunzelt Margherita Putze. „Die Passion wird immer größer“, sagt die Wienerin und meint damit ihre Leidenschaft für das Kochen.

 

„Bei mir ist es die Passion des Essens“, lacht die Südtirolerin Philippa Erlacher, „ich habe immer schon wahnsinnig gerne gut gegessen“.


Die beiden jungen Frauen lernen einander als Studentinnen kennen, bei einem Seminar zur „Berufsorientierung“. „Wir haben festgestellt, dass wir ganz ähnliche Visionen für unsere berufliche Zukunft haben“, erinnert sich Margherita Putze.

 

Im Frühjahr 2014 hat das Duo seinen ersten Kocheinsatz: Beim Südwindfest bewirten die „Gaumenfreundinnen“ mit ihren zwei mobilen Küchenwagen ehrenamtlich 100 Menschen mit ihren Kreationen. „Wir haben beide das Gefühl gehabt: Ja, das wollen wir machen!“
 

Nachhaltigkeit in aller Munde

Dass die beiden sich im Studium intensiv mit Nachhaltigkeit beschäftigten, zeigt sich bei ihrem Catering-Unternehmen. „Wir haben ein sehr breites Nachhaltigkeitskonzept“, erklärt Philippa Erlacher, „wir achten darauf, woher die Lebensmittel kommen und kaufen nach Möglichkeit am Markt direkt bei Biobauern ein, Produkte der Saison aus der Region.“

 

Aus ökologischen und ethischen Gründen bereiten sie vegetarische Kost zu. „Wir dachten zuerst, das wäre eine Hürde, aber das Gegenteil ist der Fall“, so Erlacher, „wir haben zur Zeit keine Probleme, an Kunden zu kommen.“


Auch beim Transport steht die Schonung der Umwelt im Vordergrund, berichtet die Südtirolerin: „Wir versuchen alles zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit unserem Lastenfahrrad zu bewältigen und schaffen es großteils auf das Auto zu verzichten.“

 

Etwas Sinnvolles tun

Philippa Erlacher motiviert die Verbundenheit mit der Natur, die sie seit ihrer Kindheit spürt, zu einem nachhaltigen Lebensstil. „Ich habe mich dann mit Landwirtschaft beschäftigt.

 

Weltweit läuft da sehr viel schief, Menschen werden ausgenutzt, die Umwelt wird geschädigt.“ Dieses System will Erlacher nicht unterstützen, sondern andere Wege gehen – im Privaten wie auch im Unternehmen „Gaumenfreundinnen“.


Margherita Putze brachte eine Sinnkrise zur Nachhaltigkeit. „In meinem früheren Job bei einem Reiseveranstalter für Sprachreisen hatte ich das Gefühl, ich bewirke nichts wirklich Sinnvolles.“

 

Sie kündigte und studierte noch einmal, machte den Master für soziale Ökologie. „Dort habe ich mich unter Gleichgesinnten wieder gefunden“, meint Putze, „ich bin einem inneren Drang gefolgt, etwas Sinnvolles zu tun“.
 

Küche mit Atmosphäre

Von vielen Reisen hat Margherita Putze jede Menge Rezepte mitgebracht, die das

Repertoire der „Gaumenfreundinnen“ bereichern. 

 

Serviert werden Häppchen wie auch Drei-Gänge-Menüs, von Mini-Quiche, Polentarauten mit Olivenkruste über Orientalische Linsensuppe, italienische Gemüselasagne, Flammkuchen bis zu heimischen Klassikern wie Kaiserschmarren, Topfennockerln oder Buchteln, als Nachspeise Schoko-Nuß-Küchlein oder Limetten-Zitronen Tiramisú.

 

„Da könnte ich jetzt noch Stunden weiter erzählen“, schwärmt Margherita Putze. Oft stehen Knödel aller Art auf dem Menüplan, dazu haben die Freundinnen schon einen Kochkurs veranstaltet. „Wir versuchen so zu kochen, dass für jeden was dabei ist und auch eingeschworene Fleischesser satt werden“, meint Philippa Erlacher.

 

Die jungen Köchinnen wollen eine fröhliche Atmosphäre schaffen: „Wir sind nicht so gedrillt wie Leute aus der Gastronomie“, erläutert Erlacher, „wir sind sehr wir selbst und vermitteln die Freude, die wir am Kochen haben, und, dass es für uns mehr ist als nur ein Job, sondern unsere Passion, die wir leben.“

 

Ein Zukunftstraum wäre für Philippa Erlacher ein eigenes Lokal, wo sie Menschen beschäftigen könnte, die es schwer am Arbeitsmarkt haben, junge Flüchtlinge etwa.

 

„Ich habe das Bedürfnis, die soziale Säule mehr auszubauen“, sagt sie. Margherita Putze wünscht sich: „Glücklich zu bleiben bei dem, was ich mache.“