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Abwehr
15.06.2015

„Übergeschnappt“? (Mk 3,20-35)

Marianne Schlosser: Evangeliumsauslegung zum 10. Sonntag im Jahreskreis (7.6.2015)

Die Worte und Taten Jesu bewirken sehr unterschiedliche Reaktionen. Da sind die zahllosen Menschen, die sich geradezu „auf ihn stürzen“ (Mk 3,10), um geheilt zu werden, und ihm keine freie Stunde mehr lassen.

 

Bei anderen trifft sein Wirken auf bares Unverständnis, oder auf hartnäckigen Widerstand. Die Evangelien (vgl. Joh 7,5) verschweigen nicht, dass auch die Großfamilie aus Nazareth Jesu Sendung nicht gleich zu Beginn seines Wirkens versteht – sie halten ihn für „übergeschnappt“.

 

Ihnen sagt Jesus klar, dass es Wichtigeres gibt als die familiären Bande; dass ihm vielmehr diejenigen nahestehen, die den Willen Gottes erfüllen.


Schlimmer noch ist die Verwerfung durch die „Schriftgelehrten, die aus Jerusalem herabgekommen waren“ – gewissermaßen offizielle Vertreter der religiösen Autorität –, die ihm „Besessenheit“ nachsagen.

 

Sie müssten es besser wissen: Die Tatsache, dass Jesus Menschen aus der Macht des Bösen befreien kann, zeigt offenkundig, dass er stärker ist als der Urheber alles Bösen.

 

Das von Gott gegebene Gute, das Reich Gottes, „böse“  zu nennen, oder etwas Böses für gut zu erklären, wider besseres Wissen, ist eine sehr ernste Sache.

 

Hier spricht Jesus die erschreckende Warnung vor der „Sünde wider den Heiligen Geist“. Was ist das für eine Sünde, der gegenüber Gottes Barmherzigkeit sozusagen machtlos ist? Wo die Gnade ausgesperrt wird?

 

Immer wieder hat man in der Theologiegeschichte versucht, dieses abgründige Geheimnis irgendwie zu verstehen; man hat verschiedene Formen beschrieben, wie sich das Wollen eines Menschen selber, freiwillig, vergiften kann: durch hasserfüllten Neid wegen der Gnade, die Mitmenschen zuteil wird; durch Bekämpfung der Wahrheit des Glaubens, obwohl man sie klar erkannt hat; durch den Vorsatz, nie zu bereuen …

 

Bewusste Ablehnung der Gnade – und das heißt: des Heiligen Geistes – verschließt den Menschen in sich selbst, solange sie andauert.

 

Darum findet diese Sünde keine Vergebung, „nicht, weil sie nicht vergeben werden könnte, sondern weil diese Sünde sich direkt gegen das Heilmittel richtet, durch das Sünden vergeben werden.“ (Bonaventura).