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16.02.2015

Bunte Mischung unterm roten Birett - 19 neue Kardinäle

Papst nahm 19 neue Kardinäle aus 5 Kontinenten ins Kollegium auf.

Papst Franziskus hat am Samstag 19 kirchliche Würdenträger aus allen fünf Kontinenten neu ins Kardinalskollegium aufgenommen. Franziskus setzte den neuen Kardinälen im Rahmen eines sogenannten Konsistoriums im Petersdom als Zeichen ihrer Würde ein Birett aufs Haupt, einen roten viereckigen Hut, und steckte ihnen einen Ring an. Der 95 Jahre alte kolumbianische Erzbischof, Jose de Jesus Pimiento Rodriguez, der ebenfalls zum Kardinal ernannt werden sollte, war aufgrund seines Alters nicht nach Rom gereist. Er erhält die Kardinalswürde demnächst in seinem Heimatland durch einen Vertreter des Vatikan.

 

Weitere Internationalisierung des Kardinalskollegiums

Der Papst nahm 14 amtierende Bischöfe der Weltkirche sowie einen vatikanischer Spitzenvertreter in das Kardinalskollegium auf. Mit den neuen Ernennungen treibt der Papst die Internationalisierung des Kardinalskollegiums weiter voran. Die 20 neuen Kardinäle kommen aus 18 Ländern. Vier von ihnen stammen aus Staaten, die noch nie zuvor einen Kardinal gestellt haben: Tonga, Myanmar, Panama und die Kapverdischen Inseln. Viele Nominierungen kamen für Beobachter überraschend. Insgesamt nimmt Franziskus sieben Europäer, drei Asiaten, zwei Ozeanier, fünf Lateinamerikaner und drei Afrikaner in das Kardinalskollegium auf. Es ist das zweite Mal seit seinem Amtsantritt im März 2013, dass Franziskus neue Kardinäle ernennt.

 

In der Gruppe sind auch drei pensionierte Diözesanleiter sowie zwei frühere Kurienmitarbeiter; einer von ihnen ist Karl-Josef Rauber. Er und die vier Emeritierten haben das 80 Lebensjahr bereits vollendet und wären damit nicht mehr zur Papstwahl berechtigt. Das Kardinalskollegium zählt jetzt 227 Mitglieder, 125 von ihnen wären zur Papstwahl berechtigt, 102 haben die Altersgrenze überschritten.

 

Die neuen Kardinäle schworen dem Papst und der Kirche vor dem gesamten Kardinalskollegium, darunter der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn, Treue und Gehorsam. Unter ihnen war auch der deutsche Erzbischof Karl-Josef Rauber (80). Der aus Nürnberg stammende Geistliche wirkte viele Jahre im diplomatischen Dienst des Vatikan. Zu der Zeremonie war auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. gekommen.

 

Papst mahnt zu Demut

In seiner Predigt ermahnte der Papst die neuen Kardinäle zu Demut und Bescheidenheit. "Die Kardinalswürde ist zweifellos eine Würde, aber sie ist kein Ehrentitel", sagte Franziskus. Es handle sich nicht um "etwas Zusätzliches, Dekoratives, das an eine Auszeichnung denken lässt", stellte er klar. Die Kardinäle müssten vielmehr einen "wesentlichen Dreh- und Angelpunkt" für das Leben der kirchlichen Gemeinschaft bilden.

 

Franziskus hatte die neuen Kardinälen in einem Brief aufgefordert, ihre neue Würde nicht zu übermütig zu feiern. Sie sollten Festlichkeiten durchaus zulassen. Hierbei sei jedoch darauf zu achten, dass sich nicht "der Geist der Weltlichkeit einschleicht", der mehr schade "als ein Grappa auf nüchternen Magen".

 

Der Papst sagte in seiner Predigt, die Kardinäle müssten unbedingt vermeiden, neidisch, hochmütig oder zornig aufeinander zu sein. Kardinäle müssten zudem stets "entschlossene Streiter gegen die Ungerechtigkeit und frohe Diener der Wahrheit" sein. Auch kirchliche Würdenträger seien "nicht immun" dagegen, wütend aufeinander zu sein, so der Papst in seiner Predigt. Gerade "unter uns Mitbrüdern" bestehe die Gefahr zornig aufeinander zu werden, "denn wir sind in der Tat weniger entschuldbar", erklärte Franziskus. Ein Kirchenmann dürfe jedoch, selbst wenn er für einen Augenblick einmal wütend sei, nie nachtragend oder grollend sein. Kardinäle dürften nie auf ihren eigenen Vorteil bedacht sein, sondern müssten Rücksicht auf die Anderen nehmen.

 

Weiter erinnerte der Papst die Kardinäle daran, dass ihre Autorität letztlich nicht auf Macht, sondern auf Liebe gründe. Jeder Vorsitz in der Kirche habe seinen Ursprung in der Liebe, so Franziskus. Die Kirche von Rom sie auch darin ein Vorbild. So wie sie den Vorsitz in der Liebe führe, sei jede Teilkirche aufgerufen, in ihrem Bereich ein Gleiches zu tun.

 

Reaktion einiger der neuen Kardinäle:

 

Kardinal Rauber: „Der Hut ist halt rot“

Kardinal zu werden war „ganz außerhalb meines Erwartens und meines Denkens“: Das sagte der deutsche Erzbischof Karl-Josef Rauber, ein früherer Vatikandiplomat, am Mittwoch in Rom. Als er erfahren habe, dass Papst Franziskus ihn in das Kardinalskollegium aufnehmen wolle, habe er das zunächst gar nicht glauben wollen. Bis heute fragt sich der 80-Jährige, wie Franziskus überhaupt auf ihn gekommen ist. An diesem Samstag ist er der einzige Deutsche unter den Bischöfen, die der Papst bei einem Konsistorium zu Kardinälen macht.

 

 

 

Neuer Kardinal aus Spanien

Der Spanier Ricardo Blazquez Pérez ist Erzbischof des Bistums Valladoid. Er ist auch Vorsitzender der spanischen Bischofskonferenz. Der 73-jährige Blazquez erzählt, dass sich nicht nur in seinem jetzigen Erzbistum Valladolid viele zunächst gewundert und dann gefreut hätten über seine Erhebung in den Senat der Kirche. Auch in seinem ursprünglichen Bistum sei die Freude groß: Es ist Avila, die Stadt der heiligen Theresia. Sie feiert die Kardinalserhebung gewissermaßen als Zugabe zu den Feiern des 500. Geburtstags der Heiligen.

 

 

Neo-Kardinal aus Äthiopien sieht in der Kirche eine Chance

Berhaneyesus Demerev Souraphiel, Erzbischof von Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, wird ebenfalls zum Kardinal erhoben. Er ist der zweite äthiopische Kardinal nach dem 2003 verstorbenen Paulo Tzadua. Gegenüber Radio Vatikan sagte er: „Für Äthiopiens Kirche ist die Herausforderung riesig - selbst wenn es nur eine kleine katholische Kirche ist.“ Äthiopiens Katholiken hätten eine gute Beziehung zu den anderen christlichen Kirchen, „auch zu den Muslimen“.

 

Neuseeländischer Kardinal bringt Peripherie in den Vatikan

Ein neu ernannter Kardinal ist auch der neuseeländische Erzbischof von Wellington, John Atcherely Dew. Wenn Papst Franziskus davon spricht, an die Peripherie zu gehen, so passt Dew ganz gut zu diesem Bild: Kein Kardinal kommt von so weit her - jedenfalls wenn man den Vatikan zum Ausgangspunkt nimmt. Für die Kurienreform wünscht sich der Neo-Kardinal weniger Bürokratie und einen Fokus auf die notbedürftigen Menschen - sowie eine Art und Weise der Kirchenleitung, die von pastoralen Erfahrungen geprägt ist.

 

Neokardinal Menichelli: "Italienerschwund" bei Papstwählern gut

Neo-Kardinal Edoardo Menichelli, Erzbischof von Ancona-Osimo, hat gegenüber Radio Vatikan am Samstagabend die Bedeutung der jüngsten 17 nichtitalienischen Kardinalsernennungen betont. "Wir Italiener waren daran gewöhnt, in der Überzahl zu sein. Aber ich glaube, dass die Kirche die Universalität ernst nehmen muss. Die Kirche in Ancona ist gleich der Kirche in Myanmar oder einem anderen Ort: Das müssen wir uns klar machen und umsetzen, immer", so Menichelli. Er ist neben dem Sizilianer Francesco Montenegro (Agrigent) und dem Kurien-Emeritus Luigi De Magistris der einzige Italiener, der am Samstag den Purpur erhalten hat.     

 

Der neue Kardinal Bo aus Myanmar: Einsatz für Arme hat Priorität

Die katholische Kirche in Myanmar muss nach Worten des neuen Kardinals Charles Maung Bo eine führende Rolle als Fürsprecher der Armen einnehmen. Es gehe darum, "in der Wirtschaft für Gerechtigkeit zu sorgen", sagte der 66-jährige Erzbischof von Yangon im Interview der Deutschen Welle (Donnerstag). Es mangle "nicht an Wohltätigkeit, sondern ganz einfach an Gerechtigkeit".

 

Mamberti sieht Kardinalswürde als Danksagung an

Er ist der einzige unter den neuen Kardinälen, der aus der römischen Kurie kommt. Mehrere Jahre lang war er der vatikanische Außenminister. Seit dem vergangenen 8. November ist er Präfekt der Apostolischen Signatur. Die Kardinalswürde erscheine ihm selbst wie eine Danksagung des Papstes für seinen langjährigen Dienst. Die Kardinäle seien die engsten Berater des Papstes, so Mamberti gegenüber Radio Vatikan. Die Tatsache, dass von den 15 neuen Kardinälen fast alle aus verschiedenen Länder der Welt kommen, sei für Mamberti ein deutliches Zeichen für eine universelle Kirche, die alle Facetten der Welt präsentiere.

 

Neuer Kardinal Menichelli: „Papst will Armutsbekämpfer fördern“

Wenige hatten damit gerechnet, dass der Papst ihn die Kardinalswürde verleihen wird: Edoardo Menichelli ist Erzbischof der kleinen italienischen Diözese Ancona. Im Gespräch mit Radio Vatikan sagt er, dass der Papst mit der Auflistung der 20 neuen Kardinälen ein Zeichen setzen wollte. Er gehe an die Peripherie und fördere vor allem jene in der Kirche, die sich dem „Kampf gegen die Armut“ verschrieben haben. Er sei davon überzeugt, dass sich die Kirche diesbezüglich noch weiter bewegen muss. Niemand soll sich von der Kirche ausgeschlossen fühlen. Die Kirche muss sich aber vor allem den Familien hinwenden.

 

Papst Benedikt nach Monaten wieder öffentlich zu sehen gewesen

Bei der Feier trat Benedikt XVI. erstmals seit vier Monaten wieder öffentlich auf. Papst Franziskus begrüßte seinen Vorgänger herzlich. Etliche Kardinäle schüttelten den emeritierten Papst die Hand und wechselten einige Worte mit ihm. Benedikt XVI. saß leicht vorgerückt in der ersten Reihe der Kardinäle auf einem Eckplatz. Erzbischof Georg Gänswein, der Privatsekretär von Benedikt XVI., hatte am Donnerstag in einem Interview gesagt, dem emeritierten Papst gehe es seinem Alter entsprechend gut. Er habe lediglich bisweilen Probleme mit den Beinen.