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25.01.2015

Eine deutsche Jüdin im Vatikan

Biographie „Monsignorina“ über Hermine Speier

Vor fast genau 100 Jahren, am 1. Februar 1915, trat Anna Pezzoli, eine Hilfsarbeiterin in der „Floreria“, dem Lagerhaus für Möbel und Gegenstände aller Art, ihren Dienst als erste offiziell beschäftigte Frau im Vatikanstaat an. Es folgten Teppich-Restauratorinnen und mit Hermine Speier die erste Akademikerin und die erste Nicht-Italienerin.


Sonntag"-Kolumnistin Gudrun Sailer, hauptberuflich bei „Radio Vatikan“ beschäftigt, zeichnet das Leben der deutschen Jüdin Hermine Speier, geboren am 28. Mai 1898, die nach dem Archäologie-Studium in Heidelberg nach Rom ans „Deutsche Archäologische Institut“ kommt.

 

Nach Hitlers Machtergreifung 1933 verliert sie 1934 die Stelle und kann am 15. September 1934 ihren Dienst als ausgewiesene Fotothekarin im Vatikan antreten. Speier glaubt sich „so gut wie verlobt“ mit dem Luftschiff-Pionier und Nordpolerforscher Umberto Nobile, der 1939 auch Taufpate von Hermine Speier ist. Heiraten wird er sie aber nicht.

 

1943 besetzen deutsche Truppen Rom, Speier taucht bei den Nonnen an den Priscilla-Katakomben unter. Am 16. Oktober 1943 gibt es in Rom eine Juden-Razzia durch die Nazis, mehr als 1.000 Menschen werden deportiert und ermordet. Tausende Juden werden gleichzeitig auf Initiative von Papst Pius XII. in Kirchen, Klöstern und kirchlichen Einrichtungen versteckt und überleben.

 

Hermine Speier kann ihre Liebe und Leidenschaft zur Archäologie nach dem Krieg im Vatikan weiter entfalten, sie stirbt am 12. Jänner 1989 in Montreux.

 

Diese ungewöhnliche Biographie (erschienen im Aschendorff-Verlag) ist ein Stück lebendige Kirchen- und Glaubensgeschichte. Und zugleich eine Liebeserklärung an Rom, die ewige Stadt.