Ich durfte am Rand dabeistehen, als am vergangenen Donnerstag (22. Jänner 2015), kurz nach der Suppe, der Papst überraschend Kardinal Schönborn anrief, um zum Geburtstag zu gratulieren. Eingefädelt hatten das in langer Vorarbeit die Gäste des Kardinals – Menschen am Rande des Existenzminimums.
Mich hat das besonders berührt: Menschen, die selbst nichts haben, die auf andere angewiesen sind, und die doch anderen etwas schenken können. "Wir haben uns halt überlegt, womit wir jemandem eine Freude machen können, der alles hat, was er braucht", hat mir jener Gast gesagt, dessen Handynummer der Papst verwendet hat.
Das Schenken steht für mich auch im Mittelpunkt des Lebens der Mönche und Schwestern, der Witwen und Jungfrauen, die ihr Leben ganz Gott weihen (die Kirche feiert am 2. Februar den "Tag des geweihten Lebens"). Gott hat ja auch alles, was er braucht. Und doch: Wie sehr freut ihn jedes Geschenk! Wenn ich das großherzige Geschenk ihres ganzen Lebens sehe, das Ordensleute dem Herrn gemacht haben, frage ich mich manchmal: Und was schenke ich?
Ich denke, eine Weihe ist vor allem eine Hilfe, großherzig zu sein. Ein Beispiel: In dem wunderbaren Film "Von Menschen und Göttern" über die ermordeten Trappistenmönche von Tibhirine in Algerien fragt der Prior einen Bruder, weshalb er denn Angst habe, sein Leben zu verlieren: "Erinnere dich. Du hast dein Leben doch schon hergegeben. Du hast es Christus gegeben, als du beschlossen hast, alles zu verlassen..." Und der Bruder wird ganz ruhig. So frei können Geschenke machen.
Aber auch wir "Ungeweihte" können das erfahren. Der Schuh-Millionär und Wohltäter Heinz Horst Deichmann hat seine Lebenserinnerungen so übertitelt: "Mir gehört nur, was ich verschenke."
