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14.01.2015

Das Wort zur Schrift: Eine Kettenreaktion beginnt am Jordan (Joh 1, 35-42)

Beate Mayerhofer-Schöpf: Evangeliumsauslegung zum 2. Sonntag im Jahreskreis (18.1.2015)

Wir hören im heutigen Evangelium gleich von zwei Berufungsgeschichten: von der Berufung zweier Johannesjünger und der des Petrus. Vier Beobachtungen erscheinen mir dabei besonders bemerkenswert.

 

  • 1. Zunächst ist interessant zu sehen, dass beide Berufungen nicht durch Jesus direkt geschehen sind, sondern durch Mittelsmänner, nämlich durch Johannes den Täufer und durch Andreas. Der Täufer zeigt seinen eigenen Jüngern das „Lamm Gottes“, worauf zwei von ihnen Jesus nachgehen. Einer der beiden wird seinerseits zum Zeugen: Andreas. Dieser holt freudestrahlend seinen Bruder: „Wir haben den Messias gefunden“. Eine Kettenreaktion.

 

  • 2. Weiters fällt auf, dass bei beiden das Zeugnis zentral ist: Johannes bezeugt das „Lamm Gottes“, Andreas den „Messias“. Das Zeugnis besteht aber nicht aus vielen klugen Worten, sondern es schließt die Einladung ein, selber Erfahrungen zu machen: Sie sollen kommen und Jesus selbst sehen.

 

  • 3. Dazu, dass diese Einladung jedoch auf interessierte Ohren stößt, bedarf es einer Voraussetzung. Es ist nötig, dass der Mensch sich bereits auf die Suche gemacht hat. Jesus drängt sich nicht ungefragt auf, sondern fragt: „Was wollt ihr?“

 

  • 4. Die beiden Johannesjünger kontern mit einer Gegenfrage: „Wo wohnst du?“ Da steckt nicht primär Neugier dahinter, wie wohl seine Unterkunft eingerichtet sein wird, sondern vielmehr die Frage nach seinem Ursprung. Im Zusammensein mit Jesus wird ihnen klar: Er ist in Gott zu Hause und im Hause seines Vaters gibt es noch viele Wohnungen.


Mir stellen sich heute die Fragen: Bin ich zum Mittelsmann, zur Zeugin berufen? Bin ich Teil dieser „Kettenreaktion“? Wie muss mein Zeugnis aussehen, dass es nicht nur kluge Köpfe berührt, sondern vor allem zur Erfahrung wird? Frage ich: Was brauchst du, wo drückt der Schuh? Wohin kann ich einladen mit den Worten „Komm und sieh“? Was können die Eingeladenen dann sehen – das Haus unseres Vaters? Jesus?