Papst Franziskus hat am Mittwoch den Sri-Lanka-Missionar Joseph Vaz (1651-1711) heiliggesprochen und dabei zu Religionsfreiheit aufgerufen. Jeder Mensch müsse "ohne Einschüchterung und äußeren Zwang" die Wahrheit suchen und seine religiösen Überzeugungen kundtun dürfen, sagte Franziskus bei der Messe in der sri-lankischen Hauptstadt Colombo.
Die Heiligsprechung - die erste im überwiegend buddhistischen Sri Lanka - war der Höhepunkt des am Dienstag begonnenen Sri-Lanka-Besuchs des Papstes. Zu der Feier an der Strandpromenade Colombos kamen mehrere Hunderttausend Menschen zusammen. Am gleichen Ort hatte Johannes Paul II. (1978-2005) vor genau 20 Jahren bereits die Seligsprechungsfeier für Vaz gehalten.
Franziskus betonte, die katholische Kirche diene mit Schulen, Krankenhäusern und anderen gemeinnützigen Einrichtungen "gerne und großherzig" der Gesellschaft; dabei mache sie keine Unterschiede zwischen Rassen, Ethnien oder Religionen, sondern verlange lediglich die "Freiheit, ihre Mission zu erfüllen". Religionsfreiheit sei ein "fundamentales Menschenrecht".
Sri Lankas Katholiken, die eine Minderheit von 7 Prozent bilden, verehren den aus der indischen Region Goa stammenden Ordenspriester Vaz als "Apostel Ceylons". Franziskus sagte, das Leben von Vaz lehre, dass echte Gottesverehrung nicht in Diskriminierung, Hass und Gewalt münde; sie führe zu Achtung vor dem Leben, vor der Würde und Freiheit des Mitmenschen und zum Einsatz für das Gemeinwohl. Vaz sei ein Vorbild, wie sich religiöse Spaltungen überwinden ließen.
Ähnlich wie es heute der Fall sei, habe der neue Heilige "in einer Zeit rascher und tiefgreifender Veränderungen" gelebt, so der Papst. Zu seinen Lebzeiten seien die eine Minderheit gewesen, die oft auch untereinander gespalten gewesen sei, zudem habe es gelegentliche Feindseligkeiten und sogar Verfolgung von außen gegeben. Joseph Vaz stehe damit für die Herausforderungen, gegen Widerstände voranzuschreiten und an die Peripherien zu gehen. Er habe sich als Bettler verkleiden und heimlich als Priester wirken müssen.
Joseph Vaz ging 1686 in das damals von calvinistischen Niederländern verwaltete Ceylon, um heimlich als katholischer Priester zu arbeiten. Vor drohenden Repressalien floh er ins buddhistische Königreich Kandy im Zentralgebirge. Nach zeitweiliger Inhaftierung erwarb er beim König durch seinen Einsatz für die Kranken während einer Pockenepidemie solches Ansehen, dass er dort missionieren durfte. Zugleich war er heimlich in den niederländischen Kolonialgebieten tätig. Vaz übersetzte gemeinsam mit einem Mitbruder der Kongregation des Oratoriums Teile der Bibel ins Singhalesische.
Die Gläubigen beantworteten die Proklamation des neuen Heiligen mit langem Applaus und Fanfaren auf traditionellen Hörnern. Viele hatten schon seit dem Vorabend auf dem Areal des Parks Galle Face Green ausgeharrt. Die Regierung hatte den Mittwoch zum Feiertag erklärt. Zahlreiche Sonderzüge waren im Einsatz, um Teilnehmer aus allen Landesteilen zu der Feier nach Colombo zu bringen. Der Papst fuhr anschließend in seinem Papamobil über das Gelände, um Arme und Kranke zu begrüßen.
Am Nachmittag (Ortszeit) begibt sich Franziskus per Hubschrauber in den vom Bürgerkrieg (1983-2009) gezeichneten Norden der Insel. Dort will er im Marienheiligtum von Madhu mit Familien der ehemals verfeindeten Tamilen und Singhalesen für Versöhnung und Frieden beten. Franziskus ist der erste Papst, der die Region des früheren Konflikts, bei dem laut Schätzungen 80.000 bis 100.000 Menschen ums Leben kamen, besucht. Donnerstag reist er auf die Philippinen weiter.