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05.01.2015

Der Maler als König

Diego Velazquez malt den Charakter eines Menschen.

Die religiösen Werke sind bei Velazquez nicht sehr zahlreich und finden sich alle in seinem Frühwerk. Das liegt daran, dass er schon mit 24 Jahren Hofmaler bei König Philipp IV.  war“, sagt Kunsthistoriker Daniel Uchtmann vom Kunsthistorischen Museum (KHM)  in Wien im Gespräch mit dem „Sonntag“. Den spanischen König Philipp IV. begleitete Diego Rodriguez de Silva y Velazquez als Hofmaler vom ersten bis zum letzten Porträt.


Der Künstler wurde 1599 in Sevilla geboren und wuchs dort auf. Zur Zeit der Gegenreformation war Sevilla eine wichtige Stadt.


„Über seine persönliche Religiosität ist wenig bekannt“, erklärt Daniel Uchtmann. Sechs Bilder der aktuellen Velazquez-Ausstellung im  KHM widmen sich religösen Inhalten, darunter zwei Immaculata-Darstellungen, drei Apostelbilder und die „Anbetung der Könige“.

Drei Könige – drei Lebensalter.

„Das Konzept der Immaculata, der Unbefleckten Empfängnis, wurde damals heiß diskutiert, der Protestantismus hatte ein Problem damit“, sagt der Kunsthistoriker.

 

Das Bild „Anbetung der Könige“ ist ein Altarbild, das Velazquez 1619 für den Jesuitenorden malte. Da die Jesuiten missionarisch wirkten, waren die Könige aus fremden Ländern für den Orden von Interesse.

 

Velazquez hat sich hier als 20-Jähriger mit seiner Familie selbst porträtiert. Für Maria stand die Frau des Künstlers Modell, das Jesuskind ist vermutlich Velazquez‘ erstgeborene Tochter. Der Maler stellte sich selbst als den jüngsten der Heiligen Drei Könige dar, der in diesem Bild dem Jesuskind  am nächsten zugewandt ist. „Das ist ungewöhnlich“, sagt Daniel Uchtmann: „Normalerweise ist es der älteste der Könige, der dem Jesuskind am nächsten sein darf. Die drei Könige stehen in der Malerei für drei Lebensalter, der älteste galt aufgrund seiner im Laufe des Lebens erworbenen Weisheit als der würdigste unter ihnen.“

Auch den Charakter der Figur zeigen

„Im Porträt des Apostels Thomas gelingt es Velazquez ganz phantastisch, in der Darstellung der Körperhaltung und Mimik des Apostels den Zweifel als Grundcharakter dieses Menschen zu zeigen“, führt der Kunsthistoriker aus.

 

Hier zeige sich die große Meisterschaft von Velazquez, seine einzigartige Charakterisierungskunst, dass er nicht nur das Äußere einer Figur zeigte, sondern es verstand, das Innere, den Charakter zu zeigen. 

 

Das Gemälde „Der Wasserverkäufer von Sevlla“ gilt als das beste der so genannten Bodega-Bilder („Wirtshausbilder“). Uchtmann: „Der Wasserverkäufer war in der damaligen Gesellschaft einer der untersten, unter ihm stand nur noch der Bettler. Velazquez gibt dem Wasserverkäufer in diesem Bild eine unglaubliche Würde. Das Reichen des Wassers kommt einer liturgischen Handlung gleich.“


Die in der Ausstellung gezeigten Kinderporträts folgten stets einem sehr strengen Aufbau und durften nicht variieren. Dennoch gelang es Velazquez das Wesen dieser kleinen Menschen, die für die Habsburger „Heiratsmaterial“ (Uchtmann) waren, in seiner besonders sensiblen Malweise zu zeigen.


Einen Kontrast zu den strengen Infanten-Darstellungen bilden Porträts wie jenes des Hofnarren Juan de Calabazas (Calabacillas), das im Vergleich völlig locker und unverkrampft wirkt und die innere Freiheit des gemalten Hofzwergs vermittelt.