Papst Franziskus hat die großen sozialen Nöte in der Welt im Blick und hat das im Zusammenhang mit dem Stellenwert von Familien, dem Schicksal von Flüchtlingen und beim Thema Menschenhandel sowie bei seiner Kritik an Fehlentwicklungen der Wirtschaftsordnung deutlich gemacht. Das betonte Kardinal Christoph Schönborn, am Dienstag, 4. November 2014, beim Zusammentreffen des Episkopats mit Bundespräsident Heinz Fischer. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz dankte für die Begegnung mit dem Staatsoberhaupt, die "keine Selbstverständlichkeit" sei und als öffentlich bekannter Termin gleichzeitig ein "Bekenntnis zum guten Miteinander" sei.
In seiner Antwort auf die Ansprache des Bundespräsidenten betonte der Kardinal, dass Papst Franziskus mit der Themenwahl für die Bischofssynode die "Familie auf den Leuchter gestellt" habe. In einer Zeit, wo der Sozialstaat nicht alles abdecke und sich eher zurücknehmen müsse, werde "Familie als Grundnetzwerk der Gesellschaft wieder mehr bewusst". Erklärtes Anliegen des Papstes sei es, Familie nicht nur in ihren religiösen, sondern vor allem in ihren sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bezügen ins Zentrum zu stellen.
Wie sehr Franziskus die konkreten Lebensverhältnisse und die sozialen Nöte der Menschen am Herzen liege und dabei mitunter auch missverstanden werde, zeige sich in Aussagen des Papstes, wonach er "kein Kommunist" sei. Mit dem Besuch auf Lampedusa sei es dem Papst schon am Beginn seines Pontifikats gelungen, den Blick der Welt auf Not und Leid von Flüchtlingen zu richten. Für den Papst ist Menschenhandel "eines der großen Verbrechen unserer Zeit", führte der Kardinal weiter aus. Weiters habe Franziskus klare Kritik an einer Wirtschaftsordnung geübt, bei der der Mensch zu einem Faktor degradiert werde. "Diese Wirtschaft tötet", habe der Papst festgehalten und dabei gerade nicht die Soziale Marktwirtschaft österreichischen Zuschnitts kritisiert.
An der Begegnung mit dem Bundespräsidenten haben neben den Mitgliedern der Bischofskonferenz auch der Apostolische Nuntius, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, sowie Prälat Gabor Pinter teilgenommen. Die Bischöfe feiern am Dienstagabend im Stephansdom einen Festgottesdienst, dem Kardinal Schönborn vorsteht und bei dem Nuntius Zurbriggen predigt.
Im Anschluss daran findet ein Abendessen mit Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz im Erzbischöflichen Palais statt. Die Bischofskonferenz führt ihre politischen Spitzengespräche am Mittwochvormittag mit Kanzleramts-und Kultusminister Josef Ostermayer weiter, der die Bischöfe am Tagungsort im Bildungshaus der Fokolarbewegung "Am Spiegeln" in Wien besuchen wird.