Montag 29. Juni 2026

Schnellsuche auf der Website

privat
22.10.2014

Das Wort zur Schrift: Denjenigen bejahen, den Gott liebt (Mt 22, 34-40)

Beate Mayerhofer-Schöpf: Evangeliumsauslegung zum 30. Sonntag im Jahreskreis. (22.10.2014)

Die Evangelienstelle hat sich vermutlich im Tempel zugetragen. Die Gesetzeslehrer wollen Jesus auf die Probe stellen. Sie stellen ihm zwar keine Falle (wie in Mt 22,15), aber ihre Frage ist nicht gerade ehrlich suchend und wohlwollend, sondern eher eine Prüfung der Gesetzeskenntnis und Gesetzestreue Jesu.


Sie fragen nach dem wichtigsten Gebot des Gesetzes (= der fünf Bücher des Mose). Jesus antwortet zunächst mit einem Zitat aus dem fünften Buch Mose, dem Deuteronomium (Dtn 6,5): Gott soll aus vollem Herzen geliebt werden – das ist das Wichtigste. Aber dann fügt er noch ein zweites Gebot hinzu und stellt es dem ersten gleich: den Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. Auch dies ist ein Zitat aus dem Gesetz, nämlich aus dem dritten Buch Mose (Lev 19,18). Jesus verbindet Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe. Das ganze Denken, Fühlen, Tun und Wollen soll liebend auf Gott ausgerichtet sein. Alles andere ergibt sich daraus.

 

Gott "umarmt" jeden Einzelnen

Wie hängen Gottes- und Nächstenliebe zusammen? Gott "umarmt" jeden einzelnen Menschen mit unerschütterlicher Zuneigung. Wer Gott bejahen will, der muss also auch den bejahen, den Gott liebt. Dazu gehören auch die Feinde (Mt 5,38-48) und die Fremden: "Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben, wie dich selbst" (Lev 19,34). Was kann ich tun, damit diese Verheißung angesichts der Tragödien in Lampedusa, angesichts überfüllter Aufnahmezentren in Österreich Wirklichkeit werden kann? Was kann ich am Stammtisch sagen, wenn Asylwerbende als Sozialschmarotzer an den Pranger gestellt werden?