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18.08.2014

Interview mit Ute Bock

Seit rund 20 Jahren setzt sich Ute Bock für jugendliche Asylwerber ein.

Frau Bock, Sie sind Anfang Mai aus der Reha entlassen worden, nachdem Sie Ende des Vorjahres einen Schlaganfall erlitten haben. Wie geht es Ihnen jetzt?

Ute Bock: Für mich war der Schlaganfall schon was Fürchterliches. Die ganze linke Seite war gelähmt. Aber mit der Therapie haben sie mich so weit gebracht, dass ich schon wieder frech sein kann. Ich habe wirklich noch viel vor.

Sie sind seit 1969 im Wohnheim in der Zohmanngasse tätig. Wie hat das begonnen?


Ute Bock: Ich habe ja eine kaufmännische Ausbildung nach der Matura gemacht und geplant war, dass ich irgendwo eine Buchhalterin werde. Aber es gab keine freien Stellen. Mein Vater war freischaffender Bauingenieur, der immer Geldprobleme hatte, und er wollte, dass seine Kinder eine sichere Anstellung bei der Stadt bekommen. Ich war damals noch eine brave Tochter und bin zur Gemeinde Wien gegangen. Die haben mich als Erzieherin untergebracht. So kam ich nach Biedermannsdorf in ein Schulkinderheim mit schwierigen Kindern. Als in Wien die Zohmanngasse als Burschenheim eröffnet wurde, wurde ich gefragt, ob ich dort die Stelle als Heimmutter übernehmen könnte. So war das.

Wie kann man sich Ute Bock als Heimmutter vorstellen?

 

Ute Bock: Ich hatte eigentlich immer einen guten Kontakt zu den so genannten Zöglingen, obwohl ich schon grantig war. Aber soll ich ihnen was sagen? Ich hatte den Schlaganfall, und die ersten, die gekommen sind und mir ihre guten Wünsche überbracht haben, waren meine ehemaligen Zöglinge.

Wie wurde aus dieser Institution das Flüchtlingsheim?

Ute Bock: Naja, es kamen dann Asylwerber, und das war keinem Recht. Der Bezirk hat sich beschwert wegen der vielen Ausländer. Es hieß, die Ausländer machen hier die Geschäfte. Aber ich wollte auch keine Drogendealer und Saufereien im Haus. Auf das habe ich immer sehr geschaut.

Manche Politiker arbeiten daran, das Bild des dealenden Asylwerbers zu verstärken. Was sagen Sie zur Asylpolitik in Österreich und zur Kampagnenarbeit bestimmter Parteien?

Ute Bock: Nach meinem Krankenhausaufhalt bin ich hierhergekommen, und da war gleich wieder so ein riesen Plakat mit einer netten Botschaft, dass die Ausländer heimgehen sollen. Und das neben einem Haus, wo sie wohnen. Das erschwert doch ihr Leben. Mein Vorteil ist, dass mich die Bewohner dieser Gegend schon gut kennen. Der Bäcker, der Fleischhacker, der Elektriker, die kennen mich einfach.

 

Da werden dann auch die interessantesten Dinge erzählt. Zum Beispiel hat jemand behauptet, dass unsere Afrikaner im Beserlpark nebenan sitzen und gifteln. Da hab ich dann schon gesagt, die wären ja blödsinnig, das öffentlich zu machen. Die Polizei würde sie ja sofort abholen. In der Straßenbahn hat einmal eine Frau zu ihrem Mann gesagt: ,Schau, da sitzt die Bock, die mit den Negern herummacht.’ Schuld an diesen ganzen Vorurteilen sind schon die Medien, die schüren das Feuer der Ablehnung. Das Traurige ist, dass schon die Ausländerkinder in der Schule Probleme haben.

 

Aber man darf nicht zum Zurückschimpfen anfangen. Ich lade die Leute zu uns ins Flüchtlingshaus ein und dann können sie sich selbst ein Bild machen. Aber ich bin auch eine böse Alte, ich rede auch zurück. Einmal hat ein Mann auf der Straße zu mir gesagt, ob ich und die ‚Neger‘ jetzt wieder da sind. Und dann hat er gemeint, dass ich ja ziemlich blöd bin. Und ich habe gemeint: ‚Sehen sie, dass ist der Grund, warum ich da bin. Da passe ich wohl am besten hin.‘


2003 wurde Ihre Arbeit bekannter, vor allem durch die Veranstaltung „Bock auf Kultur“. Sehr viele Leute aus Kunst und Kultur waren auf ihrer Seite. Das Projekt Ute Bock bekam großen Aufwind.

Ute Bock: Ja, das habe ich sehr gebraucht, weil ich vom Staat nicht unterstützt werde. Ich muss also betteln gehen. Es gab so viele Benefizveranstaltungen für unsere Sache. Das brauche ich. Klappern gehört zum Handwerk, heißt es doch. Ein wenig soll er mich noch lassen, der Herr, der über uns wohnt. Denn es gibt viel zu tun. Am wichtigsten ist es, dass die Kinder von Flüchtlingen in der Schule nicht ausgegrenzt werden.

 

Wenn du arm bist und nicht zum Skikurs mitfahren kannst, bist du ein Außenseiter. Kinder dürfen nicht benachteiligt werden. Es gibt so viele begabte Ausländerkinder, die muss man fördern.

Wenn Sie erleben, dass gut integrierte Kinder und ihre Familien abgeschoben werden, was empfinden Sie dann?

Ute Bock: Mein Zorn ist groß. Das ist fürchterlich, wenn man weiß, man schickt sie zurück in so eine Vorhölle. Die Kinder erzählen die fürchterlichsten Dinge. Ein kleines Mädchen kommt immer zu mir und streichelt meine Katze. Und dann hat sie erzählt, dass sie auch eine Katze gehabt hat und dass sie nicht weiß, ob die Bombe die Katze kaputt gemacht hat. Das ist doch furchtbar.