Armut muss nicht hässlich sein. Das wollte Fritz Wotruba durch die Kirche am Georgenberg in Wien-Mauer demonstrieren. Der Sakralbau („Zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit“) aus unregelmäßig aufeinander geschichteten Betonquadern sorgte allerdings für Aufregung, noch lange nach seiner Errichtung 1956.
Der Wiener Fritz Wotruba, geboren 1907, gestorben 1975, gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Wotruba schuf auch ein umfangreiches grafisches Werk. Bekannt ist er aber vor allem für seine Plastiken, vorwiegend aus Stein gefertigt. Wotruba bearbeitete den Stein wie Michelangelo meist in „taille directe“. Das heißt, er verzichtete auf die proportionale Übertragung eines plastischen Modells auf den Block mittels Punktierverfahren, sondern schlug mit Hilfe einer auf dem Stein angebrachten Vorzeichnung die Skulptur direkt aus dem Block. Dem gingen nur die zeichnerischen Entwürfe auf Papier voraus.
Aus Anlass des 450. Todesjahres Michelangelo Buonarrotis thematisiert eine neue Ausstellung im 21er Haus Fritz Wotrubas lebenslange Auseinandersetzung mit dem Bildhauergenius.
Gezeigt werden acht Steinskulpturen und 65 Zeichnungen, darunter der 1975 entstandenen grafischen Zyklus „Hommage à Michelangelo“.