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10.07.2014

Juli-Lied: Gottes Rhythmus (GL Nr. 867)

Das Juli-Lied: „Ich sing dir mein Lied“, Gotteslob Nr. 867.

„Nehmt Gottes Melodie in euch auf“, sagt der hl. Ignatius von Antiochien im 3. Jahrhundert. Das vorliegende Lied könnte eine Antwort darauf sein. Ich singe dir mein Lied  und alles, was ein Lied ausmacht, habe ich von dir, Gott – den Klang, den Schwung, die Tonart, den Rhythmus, die Melodie. Nur eines muss von mir selber kommen – der Resonanzraum, damit dieses von Gott geschenkte Lied überhaupt hörbar wird. Was bringt in uns etwas zum Schwingen? Ereignisse, Personen, Gedanken, Gebete? Oder kann sich unsere Melodie  besser im Schweigen vor Gott entwickeln?


Heilende Nähe Gottes

In unserem vorliegenden Lied ist in der ersten Strophe von „Wachsen und Werden“ die Rede. Ganz gleich, auf welcher Wegstrecke meines Lebens ich mich befinde, Gott ist die „Quelle des Lebens“ die mich ermutigt, singend weiterzugehen.


In der zweiten Strophe, wo „von deiner Geschichte, in die du uns mitnimmst“ die Rede ist, singen wir ein tröstliches Bekenntnis zur Heilsgeschichte, in die wir mit unserem kleinen Leben hineingestellt sind, ja von Gott – dem Hüter des Lebens – gleichsam an der Hand mitgenommen werden.


Die 3. Strophe spricht von Tonart und Takt, den konkreten Voraussetzungen, in die wir hineingestellt wurden. – Das Metrum – der Grundschlag unseres ureigenen Lebensliedes mag sich im Lauf des Lebens verändern. Wir machen die Erfahrung, dass es gut tut, wenn das Metrum eines Liedes dem Herzschlag entspricht, denn dann kann es uns wieder in Einklang bringen mit uns selbst und mit den anderen, mit unseren Erfahrungen und mit Gott.
Auf dem Grundmetrum unseres Lebens steht dann der Rhythmus, der unser ganzes Leben durchzieht. Im Ein- und im Ausatmen, im Wechsel von Tag und Nacht, im Wandel der Jahreszeiten, – aber auch im Wiederkehren der Festzeiten, der Arbeits- und Ruhephasen und der persönlichen Festtage. Wie immer die Tonart oder der Takt sein mag, ob in Dur oder Moll, ob in einem schwingenden 6/8 Takt, im Marschtempo oder manchmal einem schwebenden 3/4-Walzertakt - seine „Nähe, die heil macht“, ist uns gewiss.


Höhen und Tiefen

In der 4. Strophe sind die „Höhen und Tiefen“ angesprochen, die uns herausfordern, unsere Lebensgestaltung  immer wieder zu überdenken. Vermutlich ist es kein Zufall, dass gerade im Zusammenhang mit Streit und Verletzungen, bei denen wir uns nach schützender liebevoller Zuwendung sehnen, Gott als die „Freundin des Lebens“  in einem weiblichen Bild erscheint.


Wir müssen unser Leben nicht in einem beständigen Mezzoforte verbringen, sondern sind eingeladen, die Dynamik wahrzunehmen, die uns geschenkt wird, und die Phrasierungen nicht zu vergessen, die den Aufbau der Musik unterstreichen und uns Gelegenheit zum Atemholen schenken.


Töne allein machen noch keine gute Musik.  Erst der Zusammenhang und die Gestaltung, die persönliche Interpretation, das „Leben“ eines Textes, das Verinnerlichen der Melodie, das Einsetzen unseres Körpers als Instrument lassen uns im Singen bereits jetzt ansatzweise erfahren, was es bedeuten mag, wenn wir einmal mit unserem Lebenslied – wie es im Hochgebet der Eucharistiefeier heißt – „einstimmen in den Gesang der Engel“.

Sr. Johanna Kobale