In gewissem Sinn unterscheiden sich Malweisen nicht so sehr von Betformen.
Vor langer Zeit habe ich das berühmte Buch „Das wesentliche Gebet“ von Abbé Henri Bremond gelesen. Es ist eine Auseinandersetzung mit christlichen Mystikern. Ich muss sagen, das hat meine Malerei ungeheuer beeinflusst, und ich selber war sehr beeindruckt. Ich hatte immer gedacht, alles muss exakt und direkt sein.
Da habe ich gelernt, dass auch das Indirekte und das Große im Ganzen eigentlich noch viel wichtiger ist.
Für mich ist Religion eine Blickrichtung, und ich schaue als Maler natürlich auch bewusst oder unbewusst in diese Richtung.
Der Glaube spielt für mich schon eine Rolle, aber nicht im vordergründigen, direkten Sinne. Ich habe mich zwar sehr viel mit christlichen Motiven, vor allem mit Kreuzen, auseinandergesetzt, aber um überhaupt etwas zu machen, das einen Blick in diese Unendlichkeit, dieses Geheimnis der Welt zu Stande bringt, muss jeder Künstler sich davon irgendwie berührt fühlen, und das muss auch in seiner Arbeit arbeiten und mächtig werden.
Aber nicht so sehr absichtlich und bewusst und kleinlich, sondern im sehr großen und großzügigen Sinn gemeint.