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09.02.2014
Jorge Bergoglio (Papst Franziskus) im Gespräch mit dem Rabbiner Abraham Skorka

Über Himmel und Erde

Ein faszinierendes Dialog-Buch zeigt die tiefe Freundschaft zwischen Kardinal Jorge Mario Bergoglio und dem Rektor des lateinamerikanischen Rabbiner-Seminars.

„In der Geschichte der katholischen Kirche sind die wahren Erneuerer die Heiligen. Sie sind die wahren Reformatoren, die verändern, wandeln, vorantreiben und den spirituellen Weg neu beleben. “ Und: „Es stimmt, dass die hedonistische, konsumorientierte, narzisstische Kultur sich in den Katholizismus einschleicht. Sie steckt uns an, und auf gewisse Art revitalisiert sie das religiöse Leben, paganisiert es aber, verweltlicht es. Darin besteht der wahre Verlust des Religiösen, was ich am meisten fürchte."


Diese Aussagen des damaligen Kardinals Bergoglio könnte Papst Franziskus heute genauso treffen. Sie zeigen die Kontinuität im Denken des früheren argentinischen Oberhirten.


„Bruder und Freund"

Drei Jahre vor seiner Wahl zum Papst sprach Jorge Bergoglio mit seinem langjährigen „Bruder und Freund“, dem Rabbiner Abraham Skorka, über seine ganz persönlichen Ansichten zu Glauben, Kirche, Politik und Gesellschaft.  Das Dialogbuch „Über Himmel und Erde“ versammelt tiefgreifende Gespräche über theologische und irdische Fragen. Der Themenbogen spannt sich von Gott, Teufel, Atheisten über Gebet, Sterbehilfe, Abtreibung und Scheidung bis hin Wissenschaft, Geld, Armut und die Zukunft der Religionen.
Jorge Bergoglio und der Rabbiner Abraham Skorka lernten sich vor über 20 Jahren kennen und tauschten sich zunächst über Fußball aus. Aus Fußballfans wurden mit der Zeit Freunde, die über theologische, politische und Themen des Alltags diskutierten. Eines Tages beschlossen sie, ihren Dialog schriftlich festzuhalten und ihn für ein Gespräch mit vielen Menschen  zu öffnen. Kardinal Bergoglio schreibt im Vorwort, und wieder ist Papst Franziskus zu hören: „Im Alltagstrubel verhindern vielerlei Barrieren den Dialog. Desinformation, Klatsch, Vorurteile, üble Nachrede, Verleumdung.“


Dialog mit Judentum

Jorge Bergoglio wurde am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires geboren. 1958 trat er in den Jesuitenorden ein, 1969 wurde er zum Priester und 1992 zum Bischof geweiht. Seit 1998 war Bergoglio Erzbischof von Buenos Aires. 2001 erfolgte die Ernennung zum Kardinal. Seit dem 13. März 2013 ist er Papst Franziskus, der erste Lateinamerikaner in diesem Amt.
Abraham Skorka wurde 1950 in Buenos Aires geboren. Er ist Biophysiker, Rabbiner und Fachbuchautor. Abraham Skorka ist Rektor des lateinamerikanischen Rabbinerseminars in Buenos Aires, Rabbiner der jüdischen Gemeinde Benei Tikva, Professor der biblischen und rabbinischen Literatur beim lateinamerikanischen Rabbinerseminar und Lehrer für talmudisches Recht. 2012 verlieh ihm die Pontificia Universidad Católica Argentina, als erstem Rabbiner, den Doktor Honoris Causa. Auch nach der Wahl zum Papst hält die Freundschaft an.


Papst Franziskus wolle nach Aussage seines Freundes Abraham Skorka den Dialog mit dem Judentum vor allem auf theologischer Ebene vertiefen. Der nächste Schritt in den jüdisch-katholischen Beziehungen müsse ein theologischer sein, habe ihm der Papst bei ihrer letzten Begegnung im September gesagt, berichtete der Rabbiner aus Buenos Aires Mitte Jänner in Rom. Skorka begleitet Papst Franziskus im Mai auf seiner Reise ins Heilige Land.     

 Stefan Kronthaler