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12.06.2014

Die Feier der Eucharistie: ”Tu meinen Mund auf, dich zu loben ...“

Musik gehört wesenhaft zum Menschen: Über die Bedeutung der Kirchenmusik für die Messfeier

Darum geht es bei der Kirchenmusik: dass der Mensch sich mit seinen Fähigkeiten einbringt, um Gott zu loben – ganz im Gegensatz zu einem Cartoon, den ich einmal sah: Ein Vater sagt beim Einlegen einer CD vor dem beleuchteten Weihnachtsbaum zu seinem Sohn: "Stell dir vor, es gibt so arme Leute, die das ‚Stille Nacht' noch selbst singen müssen ..."

 

Dienst vor Gott

Musikalisches Tun zählt ja zu den elementaren Ausdrucksformen des Menschen: Es erwächst aus der Freude am Klang, aus gegenseitiger Verständigung und mitmenschlichem Kontakt. Selbst die Sprache hat eine gewisse Melodie, einen gewissen Rhythmus. Auch im übertragenen Sinn werden musikalische Ausdrücke gebraucht: das Leben verläuft "harmonisch", ist von Spannung und Entspannung getragen, man befindet sich in "Hochstimmung", ... eine Liste, die sich noch lange fortsetzen ließe.
Da Musik also wesenhaft zum Menschen gehört, gehört sie auch wesenhaft zu seinem Dienst vor Gott.

 

Musik im Gottesdienst ist allerdings nicht Selbstzweck, nicht eine beruhigende Geräuschkulisse, sondern sie hilft vielmehr den Teilnehmern, für ihre Anliegen die entsprechende Ausdrucksform zu finden.

 

Ein "findiges Tier"?

Sie ist für die Messfeier wichtig – und um die Gestaltung einer Feier geht es: Karl Rahner spricht in seinem "Grundkurs des Glaubens. Einführung in den Begriff des Christentums" davon, dass auch die Fähigkeit zu feiern wesenhaft mit dem Menschsein verbunden ist. Ein Mensch, der einer Feier nichts mehr abgewinnen könnte, hätte "das Ganze und seinen Grund vergessen ... er würde aufhören, ein Mensch zu sein. Er hätte sich zurückgekreuzt zum findigen Tier."

 

Feier in Gemeinschaft

Jede Feier ist auf Gemeinschaft hin gerichtet: In der festlichen Feier zeigt sich, dass der Mensch nicht für sich allein lebt, sondern das Glück des Lebens mit andern teilt. Umgekehrt bedarf jede Gemeinschaft der Feier, in der zum Ausdruck kommt, was alle miteinander verbindet.

Wenn auch keine Feier ohne das Zutun von Menschen auskommt, so ist es doch letztlich Geschenk, als Mensch feiern zu dürfen. Was das menschliche Zutun zum Gelingen der Feier angeht, so ist eine gediegene Ausbildung der musikalischen Rollenträger eine Grundvoraussetzung dafür, dass der Dienst in rechter Weise getan werden kann. Eine andere ist, dass alle Gottesdienstteilnehmer bereit sind, sich je nach ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten auch musikalisch einzubringen: "Tu meinen Mund auf, dich zu loben!"

 

Zwingender Auftrag

"Kirchenmusik mit künstlerischem Anspruch steht nicht gegen das Wesen christlicher Liturgie, sondern sie ist eine notwendige Ausdrucksform des Glaubens an die weltumspannende Herrlichkeit Jesu Christi.

 

Die kirchliche Liturgie hat den zwingenden Auftrag, die Verherrlichung Gottes, die im Kosmos verborgen ist, aufzudecken und zum Klingen zu bringen.

Dies also ist ihr Wesen: den Kosmos zu transponieren, zu vergeistigen in die Gebärde des Lobgesangs hinein und ihn damit zu erlösen; die Welt zu humanisieren."

Zitiert aus: Kardinal Joseph Ratzinger, Theologische Probleme der Kirchenmusik (Kirchenmusik, eine geistig-geistliche Disziplin, Heft 1, Stuttgart 1978), S. 17.