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10.06.2014

Gebetstreffen in den vatikanischen Gärten

Friedenstreffen von Papst Franziskus mit dem israelischen und palästinensischen Präsidenten in Anwesenheit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I.

Das Friedenstreffen von Papst Franziskus mit dem israelischen und palästinensischen Präsidenten, Shimon Peres und Mahmud Abbas, in Anwesenheit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und des Franziskanerkustos des Heiligen Landes Pater Pierbattista Pizzaballa hat am Sonntagabend bei strahlendem Sonnenschein in den Vatikanischen Gärten stattgefunden.

 

Papst: „Spirale des Hasses durchbrechen“

Während des 90-minütigen Gebetstreffens in den Vatikanischen Gärten forderte der Papst von beiden Seiten den Mut, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Die „Spirale des Hasses und der Gewalt“ müsse durchbrochen werden, so Franziskus. Um Frieden zu schaffen, sei weit mehr Mut erforderlich als zum Kriegführen.

 

„Es braucht den Mut, Ja zu sagen zur Begegnung und Nein zur Auseinandersetzung; Ja zum Dialog und Nein zur Gewalt; Ja zur Verhandlung und Nein zu Feindseligkeiten; Ja zur Einhaltung der Abmachungen und Nein zu Provokationen“, sagte der Papst. Er hoffe, dass diese Begegnung der Beginn eines neuen Weges sei, auf der Suche nach dem, was beide Parteien eine. Franziskus beendete seine kurze Ansprache mit dem Ausruf „Schalom, Pace, Salam.

 

Peres und Abbas: Die Ansprachen bei den Friedensgebeten

Shimon Peres rief Israelis und Palästinenser zu Kompromissen und Opfern für den Frieden auf. „Wir müssen den Schmerzschreien, der Gewalt und dem Konflikt ein Ende setzen“, so der Präsident Israels wörtlich. Beide Parteien müssten hierbei Partner auf Augenhöhe sein, es müsse um einen „Frieden zwischen Gleichen“ gehen.

 

Mahmud Abbas erbat in seiner Ansprache im Namen von Muslimen und Christen von Gott einen gerechten Frieden zwischen Israelis und Palästinensern. Er forderte die Achtung von Freiheit und Menschenwürde in einem „souveränen und unabhängigen Staat“ der Palästinenser. Palästina und insbesondere Jerusalem müssten für Juden, Christen und Muslime sowie für allen anderen Besucher ein sicherer Ort für Gebet und Gottesdienst sein. (rv/kna)

 

Reaktionen aus Nahost: „Papst öffnet neue Horizonte“

Die Friedens-Anrufung im Vatikan stößt auf positive Reaktionen im Heiligen Land: Die Einladung des Papstes sei „unerwartet“ und gleichzeitig „eine große Geste“ gewesen, urteilt Pater David Neuhaus vom Lateinischen Patriarchat in Jerusalem, im Gespräch mit Radio Vatikan. Neuhaus ist für die Hebräisch sprechenden Katholiken zuständig; aus seiner Sicht haben die Friedensgebete von Rom „neue Horizonte“ eröffnet.

 

Der Patriarchalvikar für Jerusalem, William Shomali, hofft nun, dass es zu weiteren Friedensgebeten mit Israelis und Palästinensern kommen wird. „Ich hoffe deshalb von ganzem Herzen, dass das nächste Friedensgebet hier in Jerusalem stattfinden wird“, so Shomali gegenüber Radio Vatikan.

 

Die Presse zu den Friedensgebeten von Rom

In der italienischen Presse wird der Begegnung im Vatikan viel Platz eingeräumt. Sie zeichnet das Gebetstreffen als „historische Begegnung“. Der „Corriere della Sera“ titelt: „Mut des Friedens – Papst drängt Peres und Abu Mazen zur Umarmung“. Ernüchternd ist das Urteil der wichtigsten Zeitungen in Jerusalem über die Begegnung im Vatikan.

 

Die „Jerusalem Post“ unterstreicht den sehr „formalen“ Charakter der Begegnung im Vatikan. Es sei das erste Mal seit über einem Jahr gewesen, dass sich Mahmud Abbas und Shimon Peres öffentlich getroffen hätten. Der Vatikan habe im Vorfeld versucht, zu hohe Erwartungen zu dämpfen – und in der Tat habe es keinen Durchbruch in Rom gegeben, so die „Jerusalem Post“: Signale eines möglichen Kompromisses im Konflikt habe es allerdings nicht gegeben, urteilt die Zeitung.

 

Noch distanzierter ist die israelische Zeitung „Ha'aretz“ , die es als ein „leeres Gebet für Frieden“ beschreibt. Die US-Zeitung „New York Times“ beschreibt das Gebetstreffen im Vatikan als „reichlich symbolische Zeremonie“. An erster Stelle hebt das Blatt jedoch die Hoffnung des Papstes hervor, die Begegnung möge der Beginn einer „neuen Reise“ sein, auf der Trennungen überwunden und Einheit hergestellt werden könne. Ob die allgemein begrüßte Vermittlungsgeste des Papstes tatsächlich den blockierten Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern wiederbeleben könne, darüber hätten viele Nahost-Experten jedoch Skepsis geäußert.