„Der Menschenhandel ist eine Wunde - eine Wunde! - im Körper der heutigen Menschheit, eine Wunde im Fleisch Christi. Er ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit." Mit diesen Worten hat Franziskus erneut das Übel des Menschenhandels angeprangert.
Der Papst traf an diesem Donnerstagmorgen Teilnehmer einer internationalen Konferenz über den Kampf gegen Menschenhandel, die am Mittwoch und Donnerstag in der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften berieten. „Es reicht!" - Die zweite Konferenz ihrer Art im Vatikan sei eine „Geste der Kirche und aller Menschen guten Willens zu sagen: Es reicht!", bekräftigte der Papst. Die zweitägige Tagung war von der Bischofskonferenz von England und Wales unter Leitung des Londoner Kardinals Vincent Nichols durchgeführt worden.
Papst Franziskus sagte beim Treffen mit den Kongressteilnehmern: „Die Tatsache, dass wir uns hier treffen, um unsere Anstrengungen zu vereinen, zeigt unseren Willen, dass Strategien und Kompetenzen von Mitleid und Nähe zu den Männern und Frauen, die Opfer dieses Verbrechens sind, begleitet und verstärkt werden mögen."
„Sich der Sache bewusst werden, überzeugt sein, mitfühlen und schließlich helfen": So formuliert der britische Migranten-Bischof Patrick Lynch das Ziel der internationalen Konferenz zum Thema Menschenhandel, die am Mittwoch, den 9. April 2014, im Vatikan eröffnet wurde. Das außergewöhnliche Treffen brachte Vertreter aus 22 Ländern zusammen: Polizei, Europol, Interpol, katholische Kirche. Es soll einen Austausch bringen und neue Kooperationen auf allen Kontinenten ermöglichen, „um für das gleiche Ziel zu arbeiten – nämlich Sklavenhändler hinter Gitter zu bringen und Opfer zu befreien."
Die einleitenden Worte der britischen Innenministerin Theresa May bezogen sich auf die moderne Sklaverei des 21. Jahrhunderts, den Menschenhandel. Es sei das größte Übel unserer Gesellschaft mit allen Formen der Ausbeutung - Zwangsarbeit, Kinderarbeit, sexuelle Ausbeutung, Prostitution und Organhandel. Auch dem Papst sei das ein ständiges Anliegen. Weltweit sind 2,4 Millionen Personen betroffen, auf 32 Milliarden Dollar werden die jährlichen Einnahmen geschätzt.
England spielt bei dieser Konferenz eine Schlüsselrolle. Nicht nur, weil die Bischofskonferenz von England und Wales zum zweiten Mal das Treffen organisiert, sondern auch weil man hier schon von erfolgreichen Kooperationen erzählen kann. Mit Hilfe von Geistlichen konnten etwa Menschenhändler schneller überführt werden, und ein aktuelles Projekt sei eine Anlaufstelle für Opfer von Menschenhandel: Hier helfe ein Schwesternorden den Opfern, in ihr Land zurückzukehren oder sich in England zu integrieren. Neben Vertretern aus Indien, Rumänien, Nigeria und Australien unterstrich auch der Generalsekretär von Interpol, Roland Noble, die Wichtigkeit dieser gemeinsamen Mission.
Im offiziellen Abschlussstatement zur Konferenz ruft der Papst die internationale Gemeinschaft zu mehr Anstrengungen im Kampf gegen Menschenhandel auf. Es brauche „gemeinsame und effektive Strategien, damit überall auf der Welt Männer und Frauen nicht mehr als Mittel zum Zweck missbraucht werden und ihre unantastbare Würde geschützt wird", so Franziskus.
In der Abschlusserklärung verpflichten sich die Konferenzteilnehmer zu einem verstärkten Einsatz gegen den Menschenhandel auf internationaler Ebene. Dabei wollten kirchliche Organisationen und Sicherheitskräfte eng zusammenarbeiten. Ausgehend von der Sorge um die Opfer des Menschenhandels wolle man Strategien der Prävention, der pastoralen Fürsorge und der Reintegration der Opfer in die Gesellschaft entwickeln, heißt es in dem Papier.
Der Kampf gegen den Menschenhandel, der auch die Bereiche Schwarzarbeit, Organhandel und Zwangsprostitution berührt, steht bei dem argentinischen Papst weit oben auf der Agenda. Er hat den Menschenhandel wiederholt öffentlich als „die weitverbreiteste Sklaverei des 21. Jahrhunderts" bezeichnet. Um das komplexe Phänomen wirksam zu bekämpfen, brauche es die Verquickung verschiedener Ansätze, unterstrich der Papst vor den Konferenzteilnehmern, darunter Kirchenvertreter und Polizeichefs aus 22 Ländern.
„Hier sind Mitglieder der Polizei, die diesem traurigen Phänomen vor allem mit Mitteln und der Strenge des Gesetzes begegnen, und Mitarbeiter des humanitären Bereiches, deren Hauptaufgaben die Aufnahme der Opfer, das Spenden menschlicher Wärme und die Befreiung der Opfer sind. Das sind zwei unterschiedliche Ansätze, die aber zusammengehen können und müssen. Es ist sehr wichtig, hier einen Dialog zu führen und sich – ausgehend von diesen sich ergänzenden Ansätzen – auszutauschen. Deshalb sind Treffen wie dieses hier so nützlich und notwendig."
Der Vatikan setzt im Kampf gegen den Menschenhandel auf internationale und interreligiöse Zusammenarbeit. So hat der Heilige Stuhl kürzlich mit der islamischen Al-Azhar-Universität in Kairo ein Netzwerk gegen Menschenhandel und moderne Sklaverei lanciert. Ebenso sprach Franziskus mit US-Präsident Barack Obama über das Phänomen, das in den Vereinigten Staaten vor allem mit Blick auf die illegalen Einwanderer aus Lateinamerika eine Rolle spielt.
Im Zuge der Konferenz sind an diesem Donnerstag auch Opfer aus Chile, der Slowakei und Ungarn vor das internationale Plenum getreten, um von ihren Qualen zu erzählen. Die zweitätige Konferenz endet mit einer Pressekonferenz und einer Audienz bei Papst Franziskus. Papst Franziskus traf im Anschluss an die Konferenz vier Opfer von Menschenhandel im Vatikan zu einer privaten Unterredung.
Innenministerin Theresa May hat schon am Mittwoch zu einer Fortsetzung des Treffens im November in England eingeladen.Dies wurde auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Konferenz im Vatikan bekannt. Im November soll es in London eine weitere Polizeikonferenz zum Menschenhandel geben.