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kathbild.at/Rupprecht, Franz Josef Rupprecht
03.04.2014

Ephesus, die Stadt von Paulus, Johannes, Maria und Maria Magdalena

Antike Großstadt und geistlicher Hotspot.

Schon in der Antike war Ephesus eine wichtige Stadt. Der reiche Krösus etwa hat den Tempel der Artemis ausgestattet, der eines der sieben Weltwunder der Antike war, jetzt ist davon mehr oder minder nur mehr eine Säule zu sehen. Paulus hielt sich zwei Mal hier auf, so dass er eine gefestigte Gemeinde hinterlies, Johannes lebte hier und in Gefangenschaft auf der Insel Patmos direkt vor der Küste der Stadt, so dass ein Traditionsstrang auch die Muttergottes hier entschlafen lies. Maria von Magdala soll nach orthodoxer Tradition hier verstorben sein. Ganz gewiss fand in der Marienkirche von Ephesus das Konzil statt, bei dem Maria den Titel Muttergottes erhielt - im Grunde eine Frage der Christologie, der Frage, wer ist dieser Jesus Christus wirklich: Mensch, Gott? Der wichtigste Kirchenbau der Stadt war aber die Johannesbasilika, wo der Evangelist ruhte. Im Spätmittelalter wurde sie, wie so viele orthodoxe Kirchen, zuerst zur osmanischen Mosche, bevor sie ein Erdbeben dem Erdboden gleich gemacht hat. So sieht man sie noch heute und kann sich die Größe nur grob vorstellen. Die Stadt selbst heißt jetzt Selcuk, liegt wegen Verlandung nicht mehr am Meer und ist ein kleines Touristenstädtchen nicht weit von der pulsierenden Millionenmetropole Izmir.

 


Exegetisch Bemerkenswertes

Die Gemeinde in Ephesus war „eine heidenchristliche Gemeinde in einer heidnischen Gesellschaft und von daher ständig Konflikten ausgesetzt“, betont Schwarz:

„Wahrscheinlich bildeten Menschen aus unterschiedlichen Schichten die Gemeinde.“ Paulus kam erstmals auf seiner 2. Missionsreise in diese Stadt, hält sich dort aber nur kurz auf (Apostelgeschichte 18,19). Schwarz: „Er wird begleitet von Aquila und Priscilla. Auf seiner 3. Reise hält er sich nach Apostelgeschichte 19 über zwei Jahre in Ephesus auf und macht es zum Zentrum seiner Missionsarbeit (54-57 n. Chr.).“


Schwarz: „Die Kirche ist nach dem Verfasser der Leib Christi, Christus ist ihr Haupt. Apostel und Propheten haben den Grundstein dazu gelegt (2,20), nun gibt es auch Evangelisten, Hirten und Lehrer (4,11), deren Aufgabe es ist, die einzelnen Gemeindemitglieder zu mündigen Christinnen und Christen zu machen.“


Die bleibende Botschaft des Epheserbriefs?

Schwarz: „Ich finde die Bilder von Kirche eindrucksvoll: Sie ist auf Christus, ihr Haupt, ausgerichtet, ist wie ein Leib, in dem alle Glieder füreinander verantwortlich sind; sie wird wie eine Braut von Christus geliebt, trotz ihrer Fehler und Schwächen; Gott gibt ihr Hirten, die aber die ihnen Anvertrauten nicht gängeln und beherrschen, sondern zu mündigen und eigenständigen Glaubenden befähigen sollen.“

 


Die frühchristliche Gemeinde von Ephesus

Der doch längere Aufenthalt des Apostel Paulus hatte eine gut aufgestellte Gemeinde zur Folge, mit der Paulus besonders verbunden blieb. "Paulus' Reisegefährten Trophimus und Tychicus stammten aus der Gemeinde. Aber auch weitere Verfolgungen blieben nicht aus, Priscilla und Aquila kehrten offenbar deswegen wieder nach Rom zurück (Römerbrief 16, 3f)." Wie das Heiligenlexikon.de zu berichten weiß: "Die Bedeutung der Gemeinde zeigt, dass der von Paulus hoch geschätzte Timotheus von ihm nach Ephesus gesandt (Philipperbrief 2, 19) und wohl auch als erster Bischof der Stadt eingesetzt wurde (1. und 2. Timotheusbrief). Paulus' späterer Mitarbeiter Onesimus (Kolosserbrief 4, 9) soll Timotheus' Nachfolger im Amt des Bischofs gewesen sein; der Überlieferung nach hat er in Ephesus den Märtyrertod durch Steinigung erlitten."

 

Der Apostel Johannes soll der Tradition zufolge nach seinem unfreiwilligen Aufenthalt auf Patmos nach Ephesus gezogen sein. "Wo er demnach mit großen Ehren empfangen wurde, sein Evangelium schrieb und die soeben verstorbene Drusiana vom Tod erweckte;" so auch hier das Heiligenlexikon. In Ephesus ist er als einziger der Apostel eines natürlichen Todes gestorben, seine Basilika ist dafür ein Zeugnis. Un d eine weitere biblische Gestalt lebte laut der Überlieferung der Orthodoxen Kirche in der Stadt: Maria Magdalena ist in Ephesus verstorben.

 

 


 

Ephesus als Konzilsstadt

Im Jahr 431 versammelten sich die Bischöfe des gesamten Weltkreises in Ephesus in der Marienkirche um wichtige Streitfragen der Christologie zu klären. Der Kathechismus der katholischen Kirche fasst es wie folgt zusammen:

 

Die nestorianische Häresie erblickte in Christus eine mit der göttlichen Person des Sohnes Gottes verbundene menschliche Person. Dieser Irrlehre gegenüber bekannten der heilige Cyrill von Alexandrien und das dritte Ökumenische Konzil, das 431 in Ephesus versammelt war, „dass das Wort, indem es das mit einer vernunftbegabten Seele beseelte Fleisch mit sich selbst der Hypostase [Person] nach einte, ... Mensch geworden“ ist (K. v. Ephesus, Epistula II Cyrilli Alexandrini ad Nestorium: DS 250). Die menschliche Natur Christi hat kein anderes Subjekt als die göttliche Person des Sohnes Gottes, die sie angenommen und schon bei der Empfängnis sich zu eigen gemacht hat. Deswegen hat das gleiche Konzil verkündet, dass Maria dadurch, dass sie den Sohn Gottes in ihrem Schoß empfing, wirklich „Gottesgebärerin“ geworden  ist, „nicht etwa weil die Natur des Wortes beziehungsweise seine Gottheit den Anfang des Seins aus der heiligen Jungfrau genommen hätte, sondern weil der vernünftig beseelte heilige Leib aus ihr geboren wurde; mit ihm hat sich das Wort der Hypostase [Person] nach geeint, und deshalb wird von ihm gesagt, es sei dem Fleische nach geboren worden“ (ebd.: DS 251). (KKK 466)

 

In den Evangelien wird Maria „die Mutter Jesu“ genannt (Joh 2,1; 19,25). Weil der Heilige Geist dazu anregt, wird sie schon vor der Geburt ihres Sohnes als „die Mutter meines Herrn“ bejubelt (Lk 1,43). Der, den sie durch den Heiligen Geist als Menschen empfangen hat und der dem Fleische nach wirklich ihr Sohn geworden ist, ist ja kein anderer als der ewige Sohn des Vaters, die zweite Person der heiligsten Dreifaltigkeit. Die Kirche bekennt, dass Maria wirklich Mutter Gottes [Theotokos, Gottesgebärerin] ist. (KKK 495)

 

Als schöne Randbemerkung dazu, soll hier noch gesagt sein, dass auch die Muttergottes mit Johannes in Ephesus gelebt haben soll. Und nach einem Traditionsstrang ist sie auch hier verstorben. Wobei ihr Haus und Sterbeort auf einem Berg oberhalb der Stadt Ephesus nach den Visionen der seligen Anna Katharina Emmerich entdeckt wurden.