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Paulus beharrt darauf: Zur Eucharistiefeier trägt jeder etwas bei.
der Sonntag / dersonntag.at /kathbild.at
25.03.2014

Paulus: Gottesdienst im alten Korinth

Paulus beharrt darauf: Zur Eucharistiefeier trägt jeder etwas bei. Und: Sie muss so gestaltet sein, dass ihr auch Unkundige folgen können.

Wer hält heute die Messe?" Diese Frage bedeutet bei uns: "Welcher Priester steht der eucharistischen Feier vor?" Paulus hätte geantwortet: "Die ganze Gemeinde feiert die Messe." Für ihn bedeutet die Mitfeier des Gottesdienstes nicht, wie Besucher eines Theaterstückes in die Kirche zu gehen und zuzuschauen und zu hören, was dem zelebrierenden Priester wohl alles zur Gestaltung eingefallen ist, sondern sich selbst und sein Leben ganz und gar in dieses Geschehen einzubringen. Das ist übrigens auch das Anliegen der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanums, in der es heißt, die Gläubigen mögen "bewusst und tätig" am Gottesdienst teilnehmen (Art. 14).

 

Der urchristliche Gebetsgottesdienst

Doch zurück zu Paulus. Er beschreibt einen urchristlichen Gebetsgottesdienst folgendermaßen: "Wenn ihr zusammenkommt, trägt jeder etwas bei: einer einen Psalm, ein anderer eine Lehre, der dritte eine Offenbarung; einer redet in Zungen, und ein anderer deutet es" (1 Kor 14,26). Besonders wichtig ist ihm die prophetische Rede, die darin besteht, dass eine Christin oder ein Christ (Paulus würde eher sagen: eine Schwester oder ein Bruder) den Willen Gottes angesichts der Freuden und auch der Sorgen der Gemeinde verkündet. Der Apostel zieht die Prophetie der ekstatischen Zungenrede (Glossolalie) vor, weil sie Ausdruck einer für alle verständlichen Rede ist und nicht so leicht in Gefahr gerät, den Sprechenden zur Selbstdarstellung zu dienen (vgl. 1 Kor 14,1-25). Er geht in seiner Forderung nach einer verständlichen Liturgie sogar so weit, dass für ihn auch ein völlig Außenstehender den Worten der Gemeinde folgen können soll (1 Kor 14,24).

 

Selbst wenn Paulus Missstände bei der Feier des eucharistischen Mahles beanstandet, wendet er sich nicht an einen Pfarrer in Korinth, sondern an die ganze Gemeinde, die eine Änderung herbeiführen sollte (vgl. 1 Kor 11,17-34): Eine eucharistische Zusammenkunft war ursprünglich mit einem gemeinsamen Essen verbunden. Dabei haben sich manche reichere Gemeindemitglieder schon früher getroffen und ausgiebig gegessen und getrunken. Als die Ärmeren müde und hungrig von der Arbeit hinzukamen, waren andere bereits betrunken und hatten von den Speisen kaum mehr etwas übrig gelassen. Aufgrund dieser mangelnden Solidarität verbietet der Apostel das gemeinsame Sättigungsmahl.

 

Die Stiftung des Abendmahles

Um den Sinn der Messfeier ins Bewusstsein zu rufen, erzählt Paulus das einzige Mal in seinen Briefen eine Begebenheit aus dem Leben Jesu – die Stiftung des Abendmahles (1 Kor 11,23-25). Interessanterweise ähnelt diese Schilderung eher jener des Lukas als jener der beiden anderen Synoptiker (Matthäus und Markus). Besonders wichtig ist für Paulus der Auftrag Jesu, dies zu seinem Gedächtnis zu tun (VV.24f).

 

Charakteristisch ist für den Apostel die Deutung des eucharistischen Brotes: Es bezeichnet nicht nur die reale Gegenwart Jesu, sondern auch den Leib Christi, der durch die Einheit der Gemeinde entsteht: "Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot" (1 Kor 10,17). Die Teilnahme am eucharistischen Mahl, das Teilen und Essen des Brots symbolisiert die enge Zusammengehörigkeit der christlichen Geschwister, die an anderer Stelle ganz ausführlich wie die Glieder am Leib Christi gesehen werden (1 Kor 12,12-30; Röm 12,4f).