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10.10.2013

Kirche-Sein neu entdecken

4. Diözesanversammlung vom 17. bis 19. Oktober 2013 in Wien.

Mehr als 1.400 Delegierte kommen vom 17. bis 19. Oktober 2013 zur vierten Diözesanversammlung in den Stephansdom.

 

Worauf dürfen die Delegierten bei der 4. Diözesanversammlung hoffen?

 

Prüller-Jagenteufel: Die Delegierten erwartet, wie schon bei den drei ersten Diözesanversammlungen, eine Mischung aus Gebetszeiten, Gesprächen und geteiltem Leben - Tage des gemeinsamen Betens, Hörens und Diskutierens, die uns Mut machen für den weiteren Weg als Kirche in dieser Zeit mitten in der Welt. Die Delegierten dürfen auf intensive Auseinandersetzung hoffen - mit der Heiligen Schrift und mit der Situation, in der wir stehen. Es ist ein Innehalten auf dem Weg des Diözesanen Entwicklungsprozesses "Apostelgeschichte 2.1", um uns zu vergewissern: Wo stehen wir, wie weit sind wir gekommen, sind wir in der Spur Jesu?

 

Warum macht sich die Erzdiözese auf diesen Weg der Erneuerung?

 

Prüller-Jagenteufel: Ich unterscheide da zwischen Grund und Anlass. Es gibt konkrete Anlässe, die uns zur Veränderung drängen: sinkende Mitgliederzahlen, der dadurch entstehende Finanzdruck, die abnehmende Zahl an Priestern. Der eigentliche Grund zum Aufbruch liegt aber viel tiefer, nämlich darin, dass wir als Kirche ständig gefordert sind zu schauen, was Gott von uns in unserer Zeit möchte; bzw. darin, dass uns das Evangelium,  Christus selbst immer neu aufruft, uns zu erneuern und uns noch mehr auf das einzulassen, was Gott für uns vorbereitet hat. Die Diözesanversammlung widmet sich der Vergewisserung dieses Grundes: Was ist unser Auftrag, was heißt Kirche-Sein? Wie können wir Kirchenentwicklung vom Evangelium, von Christus her heute neu lernen? Es geht also hier nicht primär um die Strukturfragen; die gehören in die Gremien, wo sie diskutiert und entschieden werden. Bei der Diözesanversammlung geht es um Kirchenentwicklung als einen gemeinsamen geistlichen Prozess.

 

Was unterscheidet "Apostel-geschichte 2.1" als geistlichen Prozess von den oft reinen Strukturprozessen in deutschen Diözesen?

 

Prüller-Jagenteufel: Eben dieser biblische Ansatz. Wir hören sehr deutlich auf das Wort Gottes, wir werden auch diesmal wieder von der Apostelgeschichte ausgehen, vom Grundmuster des "Apostelkonzils". Dort kommen die Apostel zusammen, um eine strittige Frage zu besprechen. Zuerst erzählen sie einander, was sie erlebt haben, was der Heilige Geist mit ihnen zusammen gewirkt hat. Beim Kirche-Sein geht es darum, zu entdecken, wo Gott wirkt, und sich daran zu beteiligen. Es ist wichtig, dass wir einander genau dabei unterstützen, Gottes Wirken unter uns zu entdecken und ihm zu folgen. Das Wesentliche an "Apostelgeschichte 2.1" ist, dass viele Menschen Lust am Miteinander-Kirche-Sein bekommen, und die Freude spüren, das Evangelium miteinander in dieser Welt zu leben. Die passenden Formen dafür werden wachsen.

 

Nun gibt Papst Franziskus fast täglich Impulse für die Erneuerung der Kirche. Überholt Rom damit den diözesanen Erneuerungsprozess?

 

Prüller-Jagenteufel: Wunderbar, dass wir einen Papst haben, dem viele gern folgen, weil er uns voraus ist. Ich freue mich über viele Äußerungen von Papst Franziskus, weil ich den Eindruck habe: Ja, genau, das ist es, wovon wir in der Erzdiözese auch reden; das ist die Richtung, in die wir auch wollen. Ich habe den Eindruck, wir kriegen aus Rom ganz viel Wind in die Segel und das ist ganz toll.