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27.08.2013

Ein Ereignis, das die Fußball-WM in den Schatten stellt

Ein Kommentar von Eugen Waldstein.

Als Vater von fünf noch sehr jungen Kindern kommt man schon gelegentlich ins Grübeln. In was für eine Welt wurden meine Kinder hineingeboren? Was wird ihnen die Zukunft bringen? Selbst der größte Optimist muss doch zugeben: Ein Blick in die täglichen Nachrichten ernüchtert. Wo man auch hinsieht, ist das Leben der Menschen geprägt von Krieg, Armut, Katastrophen, Wirtschaftskrisen und Tod.

 

Die Lernkurve der Menschlichkeit ist beängstigend flach. Aus Sicht der menschlichen Vernunft bleibt die Prognose düster: Kein Fleck auf dieser Erde scheint verschont zu bleiben vor – nennen wir es beim Namen – den zerstörerischen Kräften des Bösen. Auch das einst katholische Europa ist alt und resignativ geworden und voller ideologischer Verwirrung. Der Blick über kontinentale Grenzen hinweg hellt das Gemüt nicht wirklich auf. Dem gläubigen Menschen wird oft die zynische, mitunter verbitterte Frage gestellt: "Wo ist denn nun euer Gott?" Tatsächlich verstellt der Müll dieser Welt den Blick auf das Wahre und Gute.

 

Fürwahr: Die Zeichen der Hoffnung scheinen schwer erkennbar zu sein – und doch sind sie da! Ein solches Zeichen – ein kräftiger Fingerzeig Gottes – ist die Erfolgsgeschichte der katholischen Weltjugendtage. Schon die sichtbaren und zählbaren Fakten sprechen eine deutliche Sprache. Wem gelingt es schon, regelmäßig solche Massen von Jugendlichen aus aller Welt zu einem friedlichen Treffen zu vereinen?

 

Wie bekommt man bis zu 4 Millionen Jugendliche zu einem Event?

Was würde wohl ein erfahrener Eventmanager antworten, wenn man ihn fragte: Wie bekomme ich bis zu vier Millionen Jugendliche – so viele kamen zum Weltjugendtag 1995 in Manila – freiwillig und voller Begeisterung zu einem Treffen, das nicht einen einzigen Polizeieinsatz provoziert? Seine Antwort würde wohl kaum lauten: Lass sie von einem möglichst alten, von "unfreier Moral" und hohen Idealen predigenden Kirchenchef zu Katechese, Messe und Gebet einladen! Die Wege des Herrn sind eben nicht die unseren, und der Heilige Geist braucht halt keinen PR-Berater, um das Unmögliche zu erreichen.

 

So ein Weltjugendtag ist tatsächlich voller Unmöglichkeiten: Strapazen pur, Hitze, endlose Fußmärsche, Wartezeiten, zu wenig Schlaf auf hartem Untergrund und organisatorische Probleme. Doch dann geschieht das Unglaubliche: Trotz der Müdigkeit und der widrigen Umstände blickt man in fröhliche Gesichter. So war es in Rom im Jahr 2000, als wir – eine Gruppe von etwas mehr als 100 Jugendlichen – bei größter Hitze 15 Kilometer mit unseren Rucksäcken nach Tor Vergata marschierten, wo sich zwei Millionen Jugendliche um Papst Johannes Paul II. versammelten. Nicht anders war es 2002 in Toronto, als eine Million Jugendliche nach der feierlichen Vigil mit dem Papst erschöpft aber glücklich im Freien übernachtete und um vier Uhr früh von einem kalten Regenguss geweckt wurde – kein Jammern, nur Freude.

 

Der Papst ist jung!

"Ihr seid jung, der Papst ist alt", rief uns Johannes Paul II. damals zu. Nach "Der Papst ist jung"-Rufen der Jugendlichen setzte er fort: "Wenn man 82 oder 83 Jahre alt ist, ist das nicht dasselbe, wie mit 22 oder 23 Jahren. Aber er identifiziert sich noch mit euren Erwartungen und euren Hoffnungen. Obwohl ich inmitten vieler Dunkelheiten unter harten totalitären Regimes gelebt habe, habe ich genug gesehen, um felsenfest überzeugt zu sein, dass keine Schwierigkeit, keine Angst so groß ist, dass sie die Hoffnung völlig auslöschen könnte, die im Herzen der jungen Menschen immer lebendig ist." Die Jugendliche, die aus allen, mitunter verfeindeten Völkern nach Toronto kamen, traf er damit mitten ins Herz. Sie, die einander noch nie gesehen hatten, begegneten sich friedlich, trotz sprachlicher Barrieren, getragen von der Hoffnung Christi.

 

Ich habe es selbst mehrfach erlebt: Keine Massenhysterie bei einem Popkonzert, kein Fußballderby mit vollen Rängen, keine gelungene Party hält dem Vergleich mit den Weltjugendtagen stand. Ein Weltjugendtag ist kein Massenevent à la Woodstock. Was hier passiert, geschieht auf einem anderen, weit höheren Niveau. Es geht nicht um Gruppen-Prozesse, Massenphänomene oder Moden, sondern um das Erleben von Weltkirche, von einem echten, wahren Frieden, der ein Vorgeschmack auf das ist, was uns einst erwartet. Das ist schwer in Worte zu fassen, doch Hunderttausende bezeugen es.

 

Wer kann die Jugendlichen zählen, die dank der Weltjugendtage Christus begegnet sind? Es kam zu echten Bekehrungen, deren Früchte eine starke missionarische Dimension haben, und deren Dynamik längst die gesamte Kirche ergriffen hat. Unter den 170 Jugendlichen, mit denen ich nach Toronto flog, war auch eine junge Frau, die bewusst aus der Kirche ausgetreten war. Sie wurde gläubig, kehrte heim in die Kirche und trat in den Bettelorden der Kleinen Schwestern vom Lamm ein.